Was lange währt…

 

… ist nicht immer einfach auszudrücken. Oder zumindest nicht immer auf dieselbe Art und Weise. So stieß ich kürzlich in einem sozialen Medium sinngemäß auf einen Satz, der seiner Struktur nach dem folgenden ähnelte: „Solange wir in der Kneipe im Fernsehen das Fußballspiel sahen, war zu Hause mächtig was los.“ Mir drängte sich beim Lesen sofort die Frage auf: Und dann? War, nachdem das Fußballspiel zu Ende war, zu Hause nichts mehr los? Der Kontext deutete eindeutig darauf hin, dass dem nicht so war, und das ist auch schon der springende Punkt: Hier hätte nämlich anstelle der Konjunktion „solange“ eigentlich „während“ stehen müssen.

Das Unterscheidungsmerkmal zwischen beiden Konjunktionen ist eindeutig: „Während“ deutet lediglich auf eine Gleichzeitigkeit hin, d.h. die jeweils beschriebenen Vorgänge können zu unterschiedlichen Zeitpunkten begonnen und geendet haben. Man denke etwa an den Film „Während du schliefst“. „Solange“ hingegen deutet darauf hin, dass mit der einen Handlung automatisch auch die andere beendet wird. So ist der berühmte Satz aus der pädagogischen Mottenkiste „Solange du deine Beine unter meinen Tisch stellst, machst du, was ist sage!“ immerhin ein eindeutiger Hinweis darauf, dass das entsprechende Kind nicht mehr machen muss, was die Eltern sagen, sobald es nicht mehr bei ihnen wohnt. „Sobald“ ist übrigens – zumindest semantisch – ein häufiger Begleiter von „solange“, quasi als Kontrollmechanismus. Möchte man „solange“ verwenden, sollte man sich immer fragen, ob die eine Handlung endet, sobald  die andere vorbei ist. Dies kann durchaus auch implizit der Fall sein. In Liebesromanen findet man häufig schwülstige Aussprüche wie „Es geht mir gut, solange du nur bei mir bist.“ Hiermit ist eindeutig gemeint, dass das Wohlbefinden schlagartig aufhört, sobald sich der Angesprochene entfernt. „Während du bei mir bist, geht es mir gut“ wäre zwar grammatisch ebenso korrekt, doch würde die Äußerung dabei viel von ihrem ursprünglichen Pathos einbüßen, weil es dem Sprecher oder Sprecherin danach oder davor ebenfalls gut gehen könnte, dieses Gefühl nur eben in Anwesenheit des anderen nicht aufhörte.

Carola Jürchott

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