Superlative sind schon super!

Läuft es Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, auch manchmal kalt den Rückern herunter, wenn Sie auf bestimmte Formulierungen stoßen, die eindeutig sinnlos, aber dennoch aus unseren Medien nicht mehr wegzudenken sind?

Mir geht es unter anderem bei bestimmten Superlativformen so. In der Schule haben wir alle gelernt, dass der Superlativ nach dem Positiv als Grundstufe und dem Komparativ als Vergleichsform die höchste Steigerungsstufe der Adjektive ist. Genau: die höchste! (Nicht eine der höchsten, die dringend noch weiter hervorgehoben werden müsste.)

Deshalb schaudert es mich jedes Mal, wenn in irgendwelchen Artikeln vom „bestbezahltesten Schauspieler“ oder dem „meistgelesensten Buch“ die Rede ist. Hier sind die jeweiligen Autoren eindeutig übers Ziel hinausgeschossen, denn es handelt sich um zusammengesetzte Adjektive („der gutbezahlte Schauspieler“, „das vielgelesene Buch“), von denen jeweils nur der erste oder der zweite Teil gesteigert werden kann. Es ist also völlig ausreichend, vom „bestbezahlten Schauspieler“ und dem „meistgelesenen Buch“ zu sprechen.

Dies ist auch die einzige Möglichkeit, bei den genannten Beispielen den Superlativ richtig auszudrücken, nicht etwa die „einzigste“. Immerhin gibt es tatsächlich Adjektive, die nicht selbst steigerbar sind. Diese Adjektive heißen Absolutadjektive. Sie können entweder semantisch nicht steigerbar sein (zum Beispiel „viereckig“ oder „lebend“) oder selbst bereits den höchsten oder geringsten Grad ausdrücken: Weniger als „einzig“ geht nun einmal nicht und besser als „optimal“ auch nicht.

Daher ist auch der Einwand einer Kollegin von mir nicht ganz unberechtigt, die bei einer Konferenz an den Dolmetschertisch trat und sagte: „Nervt es Euch eigentlich auch so, wenn jemand sagt: ‚Das hat oberste Priorität’?“ Immerhin ist doch zumindest eine der Bedeutungen des Begriffes „Priorität“ „Erstrangigkeit“, und auch diese ist, streng genommen, nicht zu steigern.

 

Carola Jürchott

www.lust-auf-geschichten.de