Fragen über Fragen

Wenn nicht schon bei der Vorbereitung von Schulaufsätzen, so doch spätestens bei Autorenseminaren oder einem Journalismus- oder Germanistikstudium: Früher oder später wird jeder, der schreibt, mit den sogenannten W-Fragen konfrontiert, die die Grundlage jedes Berichts oder auch einer Erzählung bilden:

Was? Wer? Wo? Wann? Wie? Warum?

Diese Fragewörter sind jedem geläufig, und wenn man ein wenig länger darüber nachdenkt, fallen einem bestimmt auch noch andere Interrogativpronomina ein, die mit einem W beginnen:

Wohin? Weshalb? Wie lange? Wessen?

Doch es gibt auch Fragewörter, die nach und nach in Vergessenheit zu geraten scheinen, weil sie vom Strom der umgangssprachlichen Synonyme geradezu überrollt werden. So findet man das schöne „Weswegen?“ beispielsweise nur noch selten, weil sich der Gebrauch der Präposition „wegen“ mit dem Dativ immer stärker durchsetzt und daher kein logischer Rückschluss auf ein von „wessen“ (das den Genitiv verlangt) abgeleitetes Fragewort möglich ist.

Damit sind wir auch schon beim Kern dieses Beitrags: den Frageworten, die im Zusammenhang mit einer Präposition auftreten.

Immer häufiger liest man – leider auch in ansonsten seriösen Quellen – Formulierungen wie „von wo“, „mit was“ oder „durch was“. Diese Verbindungen sind jedoch ebenfalls rein umgangssprachlich und keinesfalls schriftlich zu verwenden. Hier ist in jedem Fall einem mit „wo-“ zusammengesetzten Fragewort (oder auch Relativpronomen in zusammengesetzten Sätzen) der Vorrang zu geben: „woher“, „womit“, „wodurch“.

Dies alles hat übrigens nichts damit zu tun, dass in einigen deutschen Dialekten „wo“ allein grundsätzlich gern als Relativpronomen verwendet wird. Diese Varianten sind nach wie vor rein dialektal und für die Schriftsprache nicht zu gebrauchen.

Deshalb mein Rat: Überprüfen Sie, ehe Sie ein Frage- oder Relativpronomen verwenden, das aus zwei Wörtern, einer Präposition und einem einfachen Fragewort besteht, erst, ob sich nicht ein zusammengesetztes Wort mit „wo-“ dafür finden lässt. Es ist in jedem Fall die bessere Wahl!

Carola Jürchott

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