Wir trauern um unsere hochgeschätzte Autorin Nelli Kossko

Mit tiefer Anteilnahme nehmen wir Abschied von der russlanddeutschen Autorin Nelli Kossko, die am 19. Februar 2026 nach langer Krankheit im Alter von 88 Jahren gestorben ist. Ihr Tod hinterlässt eine spürbare Lücke nicht nur in der sogenannten russlanddeutschen Literatur.

(c) Foto: Privatarchiv.

Nelli Kossko wurde 1937 in einer deutschen Siedlung in der Ukraine am Schwarzen Meer geboren. Ihr Vater, Oskar Maser, war Deutschlehrer; 1937 fiel er den stalinistischen Säuberungen zum Opfer. Nach Kriegsausbruch 1941, dem Vormarsch der Wehrmacht und dem Beginn der sogenannten „administrativen Umsiedlung“ landete Kossko zusammen mit ihrer Mutter 1944 im polnischen Warthegau, damals Deutsches Reich, und wurde nach Kriegsende im Zuge der „Repatriierung“ in die UdSSR zurückverschleppt.

Die Sowjetunion verbannt die Familie zunächst in den Norden des europäischen Teils Russlands und später auf die Kolyma im Fernen Osten. Erst nach Stalins Tod durfte Nelli Kossko 1956 den Verbannungsort an der Bering-Straße verlassen und ein Germanistik- und Anglistikstudium an der Pädagogischen Hochschule in Swerdlowsk/Ural aufnehmen. Nach Abschluss des Studiums unterrichtete sie Deutsch und deutsche Literatur an verschiedenen Pädagogischen Hochschulen der UdSSR.

1975 gelang ihr mit ihrer Familie die Auswanderung in die Bundesrepublik Deutschland. Hier war sie 18 Jahre als Redakteurin der Ost-Europa-Redaktion der Deutschen Welle tätig. Mit ihren internationalen Rundfunksendungen trug sie dazu bei, dass sich das Tor nach Deutschland für die Deutschen aus der UdSSR weiter öffnete. In dieser Zeit hatte sie vielen Russlanddeutschen geholfen, sich nach Jahren der Trennung wieder zu finden.

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„Du, mein geliebter ‚Russe‘“ – der neue Roman von Nelli Kossko

Eine deutsch-deutsche Liebesgeschichte

Ein Gastbeitrag von Nina Paulsen

Über 75 Jahre liegt der Zweite Weltkrieg schon zurück, doch nicht alle Wunden sind verheilt, nicht alle Opfer betrauert. Der Krieg hatte die Leben vieler Menschen unbarmherzig zermalmt, darunter auch die der jungen Deutschen in der Ukraine, die mit dem Einmarsch der deutschen Truppen als sogenannte Volksdeutsche zur Wehrmacht einberufen und an die Front geschickt wurden und nach Kriegsende mit entsprechenden Konsequenzen den Sowjets in die Hände fielen. Als Opfer zweier verbrecherischer Systeme – des Hitlerregimes und der Stalindiktatur – mussten sie die Schuld Hitler-Deutschlands bis in ihre letzten Tage sühnen, sie und ihre Kinder.

In ihrem eben erschienenen Roman „Du, mein geliebter ‚Russe‘. Eine deutsch-deutsche Liebesgeschichte“ (ratio-books Verlag) erzählt die bekannte russlanddeutsche Schriftstellerin Nelli Kossko eine Geschichte, die sich in beiden Ländern abspielt und sowohl tief in menschliche Abgründe blicken lässt als auch die Kraft der Liebe, die die Menschen aufs „Innerste zusammenhält“, bestätigt. Das Buch trägt einen Titel, der gerade in der heutigen Zeit fast provokant klingt, aber auch eine Spannung verspricht, die voller Kontroversen ist. Die Autorin lässt in ihr neues Buch erneut eigene Erfahrungen in reichem Maße einfließen. Weil sich ihre Vergangenheit, die sie immer wieder einholt, nicht verdrängen lässt, teilt Nelli Kossko ihre bitteren wie glücklichen Erfahrungen mit dem Leser und erzählt von denen, für die die Verbannung zur „ewigen Ruhe“ bestimmt war, und von denen, die sich aus dieser Hölle befreien konnten.

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Nelli Kossko, „In den Fängen der Zeit“ – drei Bücher in einem Band

Die Trilogie – spannende Lektüre, Bekenntnis und Aufklärung gleichzeitig.

Mit ihrem neuen Buch konnte Nelli Kossko dem langjährigen Wunsch ihrer zahlreichen Leser gerecht werden – ihre bis 2007 erschienene Trilogie in drei Einzelbänden in einem Sammelband zu vereinen. Unter dem Titel „In den Fängen der Zeit. Wege und Irrwege einer Deutschen aus Russland“ (Verlag ratio-books, Lohmar 2018) präsentiert die aufwendig aufgemachte Geschenkedition alte Inhalte im neuen Gewand. Die Journalistin, Schriftstellerin und Zeitungsmacherin, die für ihr Lebenswerk 2008 das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland erhielt, lässt auch nach ihrem aktiven Berufsleben die „Feder nicht rosten“. Sie schreibt und publiziert, tritt mit Lesungen auf und betreut die Literaturseiten der Monatsschrift „Nowyje Semljaki“.

Das Buch „In den Fängen der Zeit“ ist eine ergänzte und bearbeitete Sammelausgabe der Trilogie mit den Erzählungen „Die geraubte Kindheit“ (2003), „Am anderen Ende der Welt“ (2004) und „Wo ist das Land …“ (2007), die als Einzelausgaben schon längst ausverkauft sind. Im Anhang der Neuauflage finden sich die wichtigsten Erlasse, die für das Schicksal der Russlanddeutschen prägend waren: 28.8.1941 (Deportation der Wolgadeutschen), 7.10.1942 (Mobilisierung der Deutschen zur Zwangsarbeit), 26.11.1948 (Festigung des Siedlungsregimes), 17.9.1955 (Amnestie für Sowjetbürger, die 1941-1945 mit den Besatzern zusammengearbeitet haben) und 13.12.1955 (Aufhebung der Kommandanturaufsicht). Auch eine Zeittafel, die mit dem 11. Jahrhundert beginnt und den 2000er Jahren endet, schärft den Blick für die wechselvolle Geschichte der Deutschen im Russischen Reich und der späteren Sowjetunion bzw. in Russland.

„Ich bin glücklich, meinen Lesern diese lang ersehnte Geschenkausgabe zu präsentieren“, sagt Nelli Kossko. „Nelli Kossko, „In den Fängen der Zeit“ – drei Bücher in einem Band“ weiterlesen