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Ausschreibung im Bereich „Literatur und Literaturgeschichte“(2026)

Der Literaturkreis der Deutschen aus Russland (LITO) und das Kulturzentrum BKDR sammeln Beiträge für den nächsten Literaturalmanach (Anthologie 2026-2027).

Einsendeschluss: 15.08.2026
   
Wir sammeln für den nächsten Literaturalmanach unveröffentlichte Beiträge aller Art: Kurzprosa, Lyrik, (literaturwissenschaftliche) Essays, Rezensionen, Interviews, Nachdichtungen, kultur- bzw. literaturhistorische Textbeiträge in deutscher Sprache sowie Bilder/Fotos.

Aktuelle Bücher von Autorinnen und Autoren des LITO.

Thema: Die Beiträge sollten sich optimalerweise mit Themenschwerpunkten wie Spuren der deutschen Kultur in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion, außergewöhnlichen Schicksalen von Deutschen aus und im postsowjetischen Raum, ihrem Ein- und Zusammenleben mit anderen Menschen in Deutschland sowie mit Erfahrungen bei der Suche nach einem Platz in der neuen (alten) Heimat befassen.

Zielgruppe und Teilnahmebedingungen: Alle künstlerisch talentierten Autorinnen und Autoren, Künstlerinnen und Künstler unabhängig von Religion, Herkunft, Alter und Geschlecht sind herzlich eingeladen, ihre Beiträge für den Literaturalmanach einzureichen (sofern sie thematisch passen).   

Grundsätzlich gilt es:  Bitte lassen Sie Ihre Textbeiträge vor der Einsendung unbedingt professionell Korrekturlesen. Bei einer übermäßigen Fehleranzahl im Text behält sich die Redaktion vor, den entsprechenden Beitrag auszusortieren. Für aufwendige Korrekturen haben wir leider keine Kapazitäten und bitten Sie dafür um Verständnis.   

  • Bei mehreren Prosa-Einsendungen wird in der Regel nur ein Beitrag ausgewählt.
  • Mit Ihrer Einreichung räumen Sie dem Verlag und Herausgeber automatisch das eingeschränkte (einfache) Nutzungsrecht ein, d. h. Sie erlauben, Ihren Beitrag im Rahmen dieser Ausschreibung in einem Buch honorarfrei zu veröffentlichen und Auszüge daraus für die Bewerbung des Buches öffentlich zu nutzen (gedruckt oder als eBook bzw. PDF, die nach Ablauf einer Schutzfrist von drei Jahren auf unseren oder auf den Onlineplattformen unserer Kooperationspartner, wie z. B. Landesbibliotheken und Archiven, vornehmlich für wissenschaftliche Zwecke zum Download zur Verfügung gestellt werden).
  • Mit der Einsendung eines Beitrags bzw. eines Bildes versichert der/die Teilnehmer/in gleichzeitig, dass der eingesandte Beitrag frei von Rechten Dritter ist und von ihm/ihr selbst und ohne Zuhilfenahme einer KI verfasst wurde. Bei jeglichen Ansprüchen Dritter in Bezug auf Urheber- und Nutzungsreche werden wir auf diese öffentliche Ausschreibung verweisen. Die Verantwortung liegt vollständig bei den Teilnehmenden an dieser Ausschreibung. Allein durch die Einsendung entsteht kein Anspruch auf Publikation der eingesandten Beiträge. 

Formatierung: Die Beiträge bitte als Text-Dokument (doc oder rtf) einsenden. Bei Bildern/Fotos: im jpg- oder tiff-Format. Bitte verwenden Sie in Ihren Texten die in Deutschland verbreitete Form von , bekannt als „Gänsefüßchen“ oder „Anführungszeichen“.

Umfang: Prosa: etwa 3 bis 10 Normseiten; Lyrik: etwa 5 bis 10 Gedichte; Bilder: 5 bis 10 Bilder, (bitte in ausreichender Auflösung und im jpg- oder tiff-Format zusenden).

Mehrere Gedichte bitte in einer einzigen Datei zusammenfassen!

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ZwischenHeimaten: Autorinnen und Autoren im Gespräch

Elli Unruh: Die Fragen stellte Artur Rosenstern.

Elli Unruh, 1987 in Georgijewka (Kasachstan) geboren, wuchs in Süddeutschland auf. Nach ihrem Studium zur Bibliothekarin arbeitet sie im Deutschen Literaturarchiv Marbach. Am 1. September 2025 erschien ihr erster Roman im Berliner Transit Verlag, der im März 2026 für den Preis der Leipziger Buchmesse (LBM) nominiert wurde. Für die Fertigstellung erhielt sie eine Förderung der Kunststiftung Baden-Württemberg sowie des Förderkreises für Schriftstellerinnen und Schriftsteller in Baden-Württemberg. Sie lebt mit ihrer Familie in Stuttgart.

Artur Rosenstern: Liebe Elli, du bist in Kasachstan geboren. In welchem Alter bist du nach Deutschland gekommen und hast du aktuell noch Bezug zu deinem Herkunftsland? Vielleicht über Freunde oder Verwandtschaft?

Elli Unruh: Meine Eltern sind kurz vor meinem ersten Geburtstag ausgewandert. Ich habe also, im Gegensatz zu meinen älteren Geschwistern, keine Erinnerungen. Mit der Ankunft in Deutschland schien das Kapitel „Kasachstan“ zudem abgeschlossen. Weder haben wir Verwandte dort, noch gab es in meiner Familie den Wunsch, einmal auf Besuch zurückzukehren; zumindest habe ich diesen Wunsch nie wahrgenommen. Gerade als Kind schien es mir, als gäbe es diesen Ort gar nicht mehr, als sei er in der Vergangenheit verschwunden. Erst in den letzten Jahren haben Verwandte, meist die Generation meiner Eltern, ihre Urlaube dort verbracht. Sie schicken Fotos von den Straßen, vom Kanal, von den Häusern, die sie teilweise noch selbst gebaut haben und von den Gräbern ihrer Eltern. Und spätestens jetzt, da das Buch erschienen ist, habe auch ich unbedingt vor, einmal diese Reise anzutreten.

Zählst du dich selbst zur sogenannten „mitgebrachten Generation“? Manche jungen Menschen deiner Generation empfinden es als ungerecht, dass sie damals keine Wahl hatten bzw. von ihren Eltern nicht gefragt wurden, ob sie ausreisen möchten.  

Foto: Manfred Schmid

Überhaupt nicht. Das liegt sicher daran, dass ich keine Erinnerungen an diese Entscheidungssituation habe. Doch selbst wenn, wäre mir der Gedanke, unbedingt zu bleiben, wahrscheinlich kaum gekommen. Die Erzählungen der Familie waren immer geprägt von einer Dringlichkeit, einer Eindeutigkeit, was die Entscheidung zur Auswanderung betrifft. Und die Erzählungen rund um die Ankunft in Deutschland haben kaum irgendetwas weniger als das, was ich die Aura einer vollendeten Heldenreise nennen würde.

Wann hast du beschlossen, Literatur zu machen? Gab es einen Schlüsselmoment: ein Buch, Personen oder sonstige Ereignisse?

Von einem Schlüsselmoment kann ich nicht berichten. Ich habe immer viel gelesen. Agatha Christie und Jane Austen. Als Jugendliche war ich ständig in der kleinen Mediathek in unserem Ort, dort fand ich Robert Musil und Ljudmila Ulizkaja und bekam eine Ahnung davon, was Literatur kann: Die Erhabenheit guter Sätze, die Fixierung einer komplexen Angelegenheit in Buchstaben, eine besondere Ordnung der Gedanken, wie ein Text die tiefere Bedeutung einer vorgeblich belanglosen Angelegenheit freilegen kann. Aber wozu das alles? Wenn jede Bedeutung, jede Erkenntnis letztlich doch machtlos ist gegen das Voranschreiten der Zeit? Trotz meiner Zweifel las ich weiter, aus Neugier und reiner Freude und begriff Literatur als Boje, als Momente kurzer Rast. Ich fing an, allerlei Begebenheiten zu dokumentieren und erfuhr eine gewisse Befreiung: das Schreiben als einen friedvollen Zustand zwischen Trotz und Hoffnung. Wenn ich die Zeit schon nicht aufhalten kann, will ich mich wenigstens nicht der Sprachlosigkeit darüber schuldig machen.

Wie kamst du zum Thema deines ersten Romans „Fische im Trüben“? Was ist die Message des Buches? Ein Bekanntmachen der Geschichte von den Deutschen in der UdSSR?

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Wir trauern um unsere hochgeschätzte Autorin Nelli Kossko

Mit tiefer Anteilnahme nehmen wir Abschied von der russlanddeutschen Autorin Nelli Kossko, die am 19. Februar 2026 nach langer Krankheit im Alter von 88 Jahren gestorben ist. Ihr Tod hinterlässt eine spürbare Lücke nicht nur in der sogenannten russlanddeutschen Literatur.

(c) Foto: Privatarchiv.

Nelli Kossko wurde 1937 in einer deutschen Siedlung in der Ukraine am Schwarzen Meer geboren. Ihr Vater, Oskar Maser, war Deutschlehrer; 1937 fiel er den stalinistischen Säuberungen zum Opfer. Nach Kriegsausbruch 1941, dem Vormarsch der Wehrmacht und dem Beginn der sogenannten „administrativen Umsiedlung“ landete Kossko zusammen mit ihrer Mutter 1944 im polnischen Warthegau, damals Deutsches Reich, und wurde nach Kriegsende im Zuge der „Repatriierung“ in die UdSSR zurückverschleppt.

Die Sowjetunion verbannt die Familie zunächst in den Norden des europäischen Teils Russlands und später auf die Kolyma im Fernen Osten. Erst nach Stalins Tod durfte Nelli Kossko 1956 den Verbannungsort an der Bering-Straße verlassen und ein Germanistik- und Anglistikstudium an der Pädagogischen Hochschule in Swerdlowsk/Ural aufnehmen. Nach Abschluss des Studiums unterrichtete sie Deutsch und deutsche Literatur an verschiedenen Pädagogischen Hochschulen der UdSSR.

1975 gelang ihr mit ihrer Familie die Auswanderung in die Bundesrepublik Deutschland. Hier war sie 18 Jahre als Redakteurin der Ost-Europa-Redaktion der Deutschen Welle tätig. Mit ihren internationalen Rundfunksendungen trug sie dazu bei, dass sich das Tor nach Deutschland für die Deutschen aus der UdSSR weiter öffnete. In dieser Zeit hatte sie vielen Russlanddeutschen geholfen, sich nach Jahren der Trennung wieder zu finden.

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„In den Fängen der Zeit“ von Nelli Kossko neu aufgelegt!

Die „Odyssee“: Wege und Irrwege der Autorin in einer aus den Fugen geratenen Welt …

Der lange Weg der Protagonistin Emma Wagner beginnt 1944 in Marienheim in der Ukraine und verläuft weiter über Bessarabien, Rumänien, Ungarn, Polen bis nach Dresden, dann macht er einen Knick, schlängelt sich über Polen nach Russland zurück und zieht sich von Kostroma über den Ural, West- und Ostsibirien bis hin zum Ochotskischen Meer, strebt dann gen Norden über Magadan Richtung Kolyma. Erst 1956 kehrt etwas Ruhe ein, der Weg bringt die Protagonistin langsam und schrittweise zurück in den Westen – zunächst in den Ural, dann nach Moldawien, in die Nähe der ukrainischen Heimat ihrer Eltern, und schließlich nach Deutschland, den Endpunkt ihrer Irrungen. Hier hat sie Wurzeln geschlagen, und ihre Wege führen sie nur noch in die vielen Urlaubsländer, aus denen sie immer wieder gerne heimkehrt. Dieses Buch ist eine bearbeitete und verbesserte Ausgabe der Trilogie („Die geraubte Kindheit“, „Am anderen Ende der Welt“ und „Wo ist das Land …“), die bereits 2018 im Ratio-books erschienen ist und in kurzer Zeit über die Grenzen hinaus bekannt und vergriffen wurde. Der BKDR Verlag nahm sich nun der Neuauflage an, weil das Buch „In den Fängen der Zeit“ von Nelli Kossko eines der wichtigsten Werke darstellt, die nach 2000 über das Schicksal der Deutschen aus und in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion in Deutschland erschienen sind. Die neue Ausgabe ist ab dem 21. Januar 2026 verfügbar.

Die Autorin:

(c) Foto: Privatarchiv der Autorin.

Nelli Kossko wurde 1937 in einer deutschen Siedlung in der Ukraine am Schwarzen Meer geboren. Ihr Vater, Oskar Maser, war Deutschlehrer. 1937 war er den stalinistischen Säuberungen zum Opfer gefallen. Nach Kriegsausbruch mit der Sowjetunion und dem Vormarsch der Wehrmacht wurde Nelli Kossko zusammen mit ihrer Mutter nach Deutschland ausgesiedelt, jedoch nach Kriegsende in die UdSSR zurück verschleppt. Die Sowjets verbannten die Familie in den Norden des europäischen Teils Russlands und anschließend auf die Kolyma im Fernen Osten. Erst nach Stalins Tod durfte Nelli Kossko 1956 den Verbannungsort an der Bering-Straße verlassen und ein Germanistik- und Anglistikstudium an der Pädagogischen Hochschule in Swerdlowsk/Ural aufnehmen. Nach Abschluss des Studiums unterrichtete sie Deutsch und deutsche Literatur an verschiedenen Pädagogischen Hochschulen der UdSSR. 1975 gelang es Nelli Kossko (nach mehreren abgelehnten Ausreiseanträgen) mit ihrer Familie, nach Deutschland auszuwandern.

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Kalender 2026 mit Unterstützung des BKDR veröffenlticht

Thema: Russlanddeutsche Autorinnen und Autoren

Das Bayerische Kulturzentrum der Deutschen aus Russland (BKDR) veröffenlticht jedes Jahr in Kooperation mit der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland (LmDR) sowie dem Historischen Forschungsverein der Deutschen aus Osteuropa (HFDO) einen Wandkalender, jeweils mit einem anderen thematischen Schwerpunkt. Für das Jahr 2026 wurde der Literaturkreis der Deutschen aus Russland (LITO) bei der Gestaltung des Kalenders mit ins Boot genommen, weil der Titel des Kalenders 2026 „Russlanddeutsche Autorinnen und Autoren“ lautet.

Russlanddeutsche Autorinnen und Autoren spielen eine zentrale Rolle bei der Vermittlung geschichtlicher und kultureller Aspekte der Deutschen aus dem postsowjetischen Raum. Durch ihre literarischen Werke, Essays oder auch autobiografischen Texte bewahren sie Erinnerungen an Vertreibung, Deportation, Zwangsarbeit und Migration, die sonst leicht in Vergessenheit geraten könnten oder in der Mehrheitsgesellschaft ohnehin noch nicht hinlänglich bekannt sind.

Gleichzeitig geben sie tiefe Einblicke in das Alltagsleben zwischen Kulturen, Sprachen und Identitäten. Ihre Perspektiven eröffnen einen authentischen Zugang zu Erfahrungen, die in offiziellen Geschichtsdarstellungen oft nur am Rande vorkommen oder gar fehlen und schaffen damit ein wichtiges Verständnis für ihr tragisches Schicksal sowie die komplexe Vergangenheit und Gegenwart der Russlanddeutschen.

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Buchtipp: „Sonnen und Kometen“, Erzählungen von Max Schatz

„Sie war wie eine Sonne, strahlend und lebensfroh, von Anbeginn ihres Lebens an einem zentralen, festen, begehrten Ort. Und er – ewig am Rand. Nur ein kleiner Komet, zur ewigen Wanderung durch die Finsternis des Alls, auf der Suche nach einer Heimat verdammt …“ (aus: „Sonnen und Kometen“ von M. Schatz)

Die in diesem Band gesammelten Erzählungen und Kurzgeschichten von Max Schatz geben Einblicke sowohl in das moderne Leben von Menschen mit russlanddeutschem Hintergrund als auch in die tragische Vergangenheit der Deutschen aus den Ländern der ehemaligen UdSSR. Vor allem sind es aber Geschichten über Gewinner und Verlierer, ob in Liebesbeziehungen oder in der Arbeitswelt, ebenso voller Romantik wie Melancholie, aber auch Satire.

Der Erzählband „Sonnen und Kometen“ von Max Schatz ist ab dem 1. September in allen deutschen Buchhandlungen sowie direkt über den BKDR Verlag bestellbar. E-Mail:  kontakt@bkdr.de oder via Tel.: 0911.89219599.

Details: ISBN 978-3-948589-54-7, Hardcover, 220 Seiten. Art.-Nr.: 9547, Preis: 16,- EUR.

Der Autor Max Schatz

Geb. 1981 in Tscheljabinsk (Russland), seit 1992 in Deutschland, ist im zweiten Beruf Übersetzer für Russisch. Er schreibt zweisprachig Prosa und Lyrik. Veröffentlichungen in Anthologien, Almanachen und Literaturzeitschriften Deutschlands, Österreichs und Russlands. Erschienene Bücher (Stand 2025): in Russisch: »Ostrov bandy pyati« (»Die Insel der Fünfer-Bande«, Jugend-Fantasyroman), Verlag »Soyuz pisateley«, Russland, 2019, ISBN: 978-5-00143-054-4; in Deutsch: »Nihilschwimmer« (Lyrikband mit Sonettenkränzen), ostbooks Verlag, 2020, ISBN: 978-3-947270-09-5; »111 Schachprobleme« (Schachbuch), Books on Demand, 2024.

Website des Autors: https://schachmax.jimdofree.com

1995-2025: Dreißig Jahre Literaturkreis der Deutschen aus Russland

Textwerkstatt, Festakt und Jubiläumslesung in Oerlinghausen

Der Literaturkreis der Deutschen aus Russland (LITO) feierte zusammen mit der Akademie am Tönsberg e. V. sein 30-jähriges Bestehen mit einem Programm rund um Geschichtenschreiben und interkulturelle Erzählungen.

Nach der Lesung in der Hedwigskapelle (c) LITO.

Vom 5. bis 7. September 2025 fand in den Räumen der Villa Welschen eine kreative Textwerkstatt statt, geleitet von der Paderborner Autorin Christiane Höhmann. Die Veranstaltung richtete sich an Erwachsene mit Migrationsgeschichte, insbesondere an Aussiedlerinnen und Aussiedler aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Ziel war es, persönliche Geschichten und Familienerzählungen literarisch zu verarbeiten. Höhmann gab inspirierende Schreibimpulse und begleitete die Teilnehmenden unterstützend, sodass neue Textentwürfe und Exposés entstehen konnten. Die Teilnehmenden erhielten praxisnahe Techniken, die darauf abzielen, autobiografische Texte in Literatur zu verwandeln.

Festakt mit Dank, Würdigung und Blick in die Zukunft

Heiko Hendriks beim Grußwort

Am 6. September nachmittags fand ein Festakt zum 30-jährigen Bestehen des Literaturkreises mit geladenen Gästen statt, der Raum für Dank, Würdigung, Reflexion und Perspektiven für zukünftige Kooperationen bot. Nach der Begrüßung durch Dr. Nike Alkema, der Leiterin der Akademie am Tönsberg in Oerlinghausen (vormals: Institut für Migrations- und Aussiedlerfragen – Heimvolkshochschule St. Hedwigs-Haus), richtete Heiko Hendriks, Beauftragter für Vertriebenen- und Aussiedlerfragen in NRW, ein Grußwort an die Anwesenden.

Artur Böpple, Vorsitzender des Literaturkreises, skizzierte in einer Festrede die Entwicklung der russlanddeutschen Literaturszene in den 30 Jahren. Ferner wurden vier langjährige Mitglieder des Literaturkreises mit Urkunden und Blumen für ihr ehrenamtliches Engagement gewürdigt; Agnes Gossen und Larissa Ulyanenko erhielten Ehrenmitgliedschaften.

Im Rahmen der anschließenden Podiumsdiskussion, die von Dr. Nike Alkema moderiert wurde, sprachen Heiko Hendriks, Dr. Katharina Dück, Georg Smirnov, Melitta L. Roth und Artur Böpple u. a. über die Rolle der Literatur sowie ehrenamtliche und Zeitzeugenarbeit im Hinblick auf die tragische Geschichte der deutschen Vertriebenen und Spätaussiedler. Sichtbarkeit von Kultur- und Geschichte dieser Bevölkerungsgruppe war ebenfalls einer der zentralen Punkte bei dieser Diskussion. Die Veranstaltung hob u. a. die enge Verknüpfung von Literatur und Kulturpolitik hervor und zeigte Potenziale für weitere Netzwerke auf.

Podiumsgespräch. V.l.n.r.: Dr. Nike Alkema, Artur Böpple, Georg Smirnov, Dr. Katharina Dück, Melitta L. Roth und Heiko Hendriks (c) LITO.

Lesung in der Hedwigskapelle

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Literaturalmanach 2025: „Unser Schnee von heute“ ist erschienen

Der Literaturkreis der Deutschen aus Russland wird 30 Jahre alt!

Diese Ausgabe der „Literaturblätter der Deutschen aus Russland“ (Almanach) mit dem Titel „Unser Schnee von heute“ ist anlässlich des 30. Jubiläums des Literaturkreises der Deutschen aus Russland zur Leipziger Buchmesse 2025 im BKDR Verlag erschienen.

Der Literaturkreis wurde im Oktober 1995 gegründet. Heute wie damals, bei den ersten Ausgaben der Literaturblätter, dient diese Bücherreihe primär der Vernetzung, dem Austausch, dem Dialog sowie der Integration und Förderung der aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion zugewanderten deutschen Autorinnen und Autoren. Ihre Themen möchte der Literaturkreis ins Gespräch bringen und auch junge Autorinnen und Autoren entdecken und ihnen eine Chance der ersten Publikation bieten. Dabei müssen die Beiträge nicht zwangsläufig nur von Schreibenden mit russlanddeutschem Hintergrund stammen. Mittels Übersetzungen einzelner Beiträge aus dem Russischen bemüht sich die Redaktion auch um die Aufrechterhaltung des literarischen Dialogs mit den in den Herkunftsländern lebenden Literaten und Künstlern. Darüber hinaus möchten wir über Themen ins Gespräch kommen, die von gesamtgesellschaftlicher Relevanz sind und bei denen die Perspektiven von Zugewanderten sowie kulturell divers „tickenden“ Autorinnen und Autoren an anderen Stellen zu kurz kommen.

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Buchtipp: Schwarzer Schabbat. Klagegedichte … von Andreas A. Peters

(Zweiter Teil des Bands heißt KRIEGSFUSS AN FUSS – PROTHESE. Fluchgedichte.)

Andreas Andrej Peters durchleuchtet die aktuellen Themen in einem Band, die Konflikte in Gaza und in der Ukraine, ihre Nebenschauplätze, verbindenden Linien und Implikationen. Er ist aktuell, ohne dem Zeitgeist zu verfallen, nimmt Stellung und fordert Haltung ein. Er ist streitbar und fordert Empathie ein, wo die Auseinandersetzung das Tolerierbare verlässt.

„Peters ist ein ,gnadenloser‘ Erzähler, der den Nerv der Zeit trifft.“ Fritz Huber, Lyriker, Salzburg.

„Ich finde überhaupt Peters neue Gedichte besonders stark. Und José Oliver ging es genauso. Und er ist ein sehr kritischer Hund. Anton G. Leitner, Lyriker, Verleger, Herausgeber der renommierten Lyrikzeitschrift „DAS GEDICHT“.

„Dass Peters Evangelische Theologie studiert hat, hat deutliche Spuren hinterlassen. Er klagt nicht nur an, er stellt die Ereignisse auf die Bühne des biblischen Hintergrunds, wo sie noch dramatisch an Wucht zulegen.“ Anton Thuswaldner, Literaturkritiker, Salzburg.

Erhältlich überall im regulären deutschen Buchhandel.

Der Autor:

Andreas Andrej Peters, Lyriker, Erzähler, Kinderbuchautor, Liedermacher und Übersetzer von Mandelstam, geboren 1958 in Tscheljabinsk-Ural (UdSSR), studierte Evangelische Theologie und Krankenpflege in der Schweiz, Gießen und Frankfurt am Main. Er arbeitete als Pastor, Seelsorger und Krankenpfleger. Mehrere Auszeichnungen, darunter SCIVIAS-Literaturpreis, ein Werkstipendium des Deutschen Literaturfonds, Irseer Pegasus Autorenpreis, Literaturstipendium des Freistaates Bayern. Finale beim Dresdner Lyrikpreis und Lyrikpreis Meran. Zuletzt erschienen von ihm „Liebe & Hunger. Ein Leningrader Poem, Wasserschöpfen im Schwarzen Meer mit einem Flügel. Gedichte gegen den Krieg.“ Doppelband. edition offenes feld; „TRISTIA oder Zehn Himmel kostete uns diese Erde“, Ossip Mandelstam. Gedichte. Vollständige Neuübersetzung von Andreas Andrej Peters. edition offenes feld.

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Verleihung des 2. Nora-Pfeffer-Literaturpreises und Buchpräsentation

Nürnberg. Am 6. Dezember 2024 fand in den Räumen des Bayerischen Kulturzentrums der Deutschen aus Russland (BKDR) eine besondere Veranstaltung statt, die sowohl dem Gedenken an den deutsch-kasachischen Schriftsteller Herold Belger (1934–2015) gewidmet war als auch die Erinnerung an die russlanddeutsche Schriftstellerin Nora Pfeffer (1919–2012) wachhielt.

„Herold Belger. Drei Saiten meiner Seele, drei Kreise meines Lebens“ – so heißt das neue Buch von Nina Paulsen, das pünktlich zu dieser Veranstaltung im BKDR Verlag erschienen ist und von der Autorin persönlich vorgestellt wurde. Belger wäre am 28. Oktober 90 Jahre alt geworden; aus diesem Anlass entstand die Idee zu dieser Publikation. In einer detaillierten Präsentation beleuchtete Nina Paulsen anschaulich das facettenreiche Leben, das Wirken sowie die Bedeutung des weit über die Grenzen seiner Heimat hinaus bekannten Schriftstellers Herold Belger.

Mehr als zehn Erstdrucke, allesamt Originalbuchausgaben von Belger, konnte das Publikum im Rahmen dieser Veranstaltung näher betrachten und darin blättern. Darunter befand sich eines seiner Schlüsselwerke, der große autofiktionale Roman „Das Haus des Heimatlosen“, der die Deportation der Wolgadeutschen und ihre Entrechtung nach dem Überfall Hitlerdeutschlands auf die UdSSR 1941 thematisiert. Der Roman, der in den deutschen Medien die ihm gebührende Resonanz noch nicht gefunden hat, wurde 2014 in einem Berliner Verlag mit Unterstützung der kasachischen Botschaft in deutscher Sprache herausgegeben und ist aktuell entweder in jeder deutschen Buchhandlung oder online bestellbar. Das gilt auch für das jüngste Sachbuch von Nina Paulsen über Belgers Leben und Werk.

Das letztgenannte Buch beleuchtet die äußerst facettenreiche Biografie Belgers, der sich selbst als „Zögling dreier Staaten – Russlands, Kasachstans und Deutschlands“ bezeichnete und der tiefgreifende Spuren in der Literaturgeschichte Kasachstans hinterließ. Belger schrieb auf Russisch, Kasachisch und Deutsch. Alle drei Sprachen und ihre jeweiligen Kulturen prägten das Leben und den Schaffensweg Belgers maßgeblich.

Preisträgerinnen Regina Sidonie Schill (2. von l.), Lorena Pircher (Mitte) und Julia Alina Kessel (2. von r.) mit den Jurymitgliedern Eleonora Hummel und Artur Rosenstern (c) BKDR
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