Deutschlandfunk berichtet über die Lesung mit Eleonora Hummel und Artur Rosenstern im Brecht-Haus in Berlin

Anfang 2018 traten Eleonora Hummel und Artur Rosenstern mit einem programmatischen Aufruf zur Unterstützung der russlanddeutschen Literatur auf: „Das Schlüsselloch im Suppenteller: Was das Besondere an der russlanddeutschen Literatur ist und warum sie gefördert werden sollte“ (in: Und zur Nähe wird die Ferne. Almanach 2017/2018). Diesem Thema war die Lesung und die Podiumsdiskussion am 3. Dezember gewidmet.

Deutschlandfunk berichtete darüber am  4. Dezember 2018. Der Bericht wird eine begrenzte Zeit online zur Verfügung stehen. Unter diesem Link ist er abrufbar: Deutschlandfunk „Kultur heute“ vom 04.12.2018.

Nelli Kosskos Buch „In den Fängen der Zeit“ ist kürzlich erschienen!

Wer noch ein passendes Weihnachtsgeschenk für seine lesenden Familienmitglieder, Freunde und Bekannte sucht, ist bei der neuen Veröffentlichung von Nelli Kossko „In den Fängen der Zeit. Wege und Irrwege einer Deutschen aus Russland“ (Verlag ratio-books, Lohmar 2018) genau richtig. Mit dem neuen Buch konnte die Journalistin, Schriftstellerin und Zeitungsmacherin, die für ihr Lebenswerk 2008 das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland erhielt, dem langjährigen Wunsch ihrer zahlreichen Leser gerecht werden – ihre bis 2007 erschienene Trilogie in drei Einzelbänden in einem Sammelband zu vereinen. Unter dem Titel „In den Fängen der Zeit“ präsentiert die aufwendig aufgemachte Geschenkedition alte Inhalte im neuen Gewand.

Das Buch ist eine ergänzte und bearbeitete Sammelausgabe der Trilogie von „Die geraubte Kindheit“ (2003), „Am anderen Ende der Welt“ (2004) und „Wo ist das Land …“ (2007), die als Einzelausgaben schon längst ausverkauft sind. „Ich bin glücklich, meinen Lesern diese lang ersehnte Geschenkausgabe zu präsentieren“, sagt Nelli Kossko. Der lange Weg der Protagonistin ihrer Trilogie, Emma Wagner, beginnt 1944 in Marienheim/Ukraine, verläuft weiter über Bessarabien-Rumänien-Ungarn-Polen bis nach Dresden und schlängelt sich kurz darauf über Polen nach Russland zurück – von Kostroma über den Ural, West- und Ostsibirien bis hin zum Fernen Osten, über Magadan Richtung Kolyma. Erst ab 1956 führt der Weg Emma, und die Autorin selbst, schrittweise zurück in den Westen – Continue reading →

Zeichen setzen mit Zeichensetzung (2)

Im vorigen Blogeintrag ging es um die Verwendung von Gedankenstrichen und Doppelpunkten. Einer der häufigsten „Kollisionspunkte“ dieser beiden Satzzeichen im Russischen und Deutschen ist die wörtliche Rede, erst recht, wenn sie durch einen Hauptsatz eingeleitet oder durch einen Nebensatz abgeschlossen wird.

Im Gegensatz zum Russischen kennt das Deutsche die Markierung einer Dialogpassage mit Anstrichen gar nicht. Das führt bei Übersetzungen aus dem Russischen unter Umständen auch zu Irritationen, weil für einen deutschen Leser im Russischen nicht immer klar erkennbar ist, wo die wörtliche Rede eigentlich endet.

Im Deutschen werden grundsätzlich Anführungszeichen verwendet, und zwar in der grafischen Form „…“ oder, ähnlich dem Französischen, »…«. Bei der Verwendung der zweiten Form ist zu beachten, dass die Häkchen im Vergleich zum Russischen genau entgegengesetzt sind, also mit ihren Spitzen nach innen zeigen und nicht, wie etwa bei der Datumsangabe auf russischen Formularen, nach außen. Auch Anführungsstriche, die sowohl vor der wörtlichen Rede als auch danach oben stehen, sind im Deutschen nicht üblich, sondern aus dem Englischen übernommen und gelten im Deutschen als typografischer Fehler.Continue reading →

Zeichen setzen mit Zeichensetzung (1)

Eine der beim diesjährigen Autorenseminar in Oerlinghausen am häufigsten gestellten Fragen war die nach den Unterschieden bei der Interpunktion im Russischen und im Deutschen. Auch ich halte diese Frage für sehr relevant, weil ich beim Korrekturlesen immer wieder feststelle, dass das einer der Punkte ist, mit denen sich selbst Autoren schwertun, die seit Jahren sehr gut und auch erfolgreich auf Deutsch schreiben. Deshalb möchte ich in diesem und den zwei kommenden Beiträgen auf wichtige Punkte eingehen, in denen sich die Zeichensetzung der beiden Sprachen erheblich voneinander unterscheidet.

Der Gedankenstrich wird im Russischen wesentlich häufiger verwendet als im Deutschen. So ist es im Deutschen durchaus üblich, etwa ein Verb, das sich auf mehrere Personen bezieht, einfach wegzulassen, ohne die Auslassung jedoch durch einen Gedankenstrich zu kennzeichnen:

„Er war vierzehn Jahre alt und ich erst zwölf.“Continue reading →

Wer mit wem?

Vor einiger Zeit las ich in einem Text einen Satz mit folgender Struktur: „Und dann organisierten wir mit meinen Kollegen eine Feier.“ Fast hätte ich darüber hinweggelesen, doch plötzlich läutete in einer hinteren Gehirnwindung ein Alarmglöckchen. Es schrillte nicht, und es war auch keine große Glocke, aber irgendetwas sagte mir: Hier stimmt etwas nicht. „… wir mit meinen Kollegen?“ Wer ist denn „wir“? Natürlich – gemeint war: „meine Kollegen und ich“.

Diese Konstruktionen mit „мы с“, die im Russischen so häufig verwendet werden, sind, scheint es mir etwas tückisch, denn sie springen einem im deutschen Sprachgebrauch gar nicht so sehr ins Auge wie andere Russizismen. So habe ich schon Menschen, die komplett zweisprachig aufgewachsen waren und beide Sprachen wirklich aus dem Effeff beherrschten, Dinge sagen hören wie. „Dort haben wir mit Barbara das und das gemacht.“

Genau das ist das Tückische: Continue reading →

Autorentreffen in Oerlinghausen (September 2018)

Seit vielen Jahren veranstaltet der Literaturkreis der Deutschen aus Russland e.V. ein Treffen für Autoren russlanddeutscher Herkunft, die in deutscher und russischer Sprache schreiben. Auch dieses Jahr sollte keine Ausnahme werden: Vom 7. bis 9. September lud der Literaturkreis russlanddeutsche Autoren in die Tagungsstätte Villa Welschen nach Oerlinghausen ein und bot den Teilnehmern ein vielfältiges Programm mit qualifizierten Referenten. Gefördert wurde das Autorenseminar des Literaturkreises vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Der Autor und 1. Vorsitzende des Literaturkreises Artur Böpple übernahm die Organisation und die Leitung der Autorentagung. Nach dem Ankommen der Teilnehmer am Freitagnachmittag gab es zunächst eine Begrüßungsrunde, wo die Autoren sowohl einander als auch die Referenten kennenlernen konnten. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen nicht nur aus Nordrhein-Westfalen, sondern auch aus Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und anderen Bundesländern. Nach einem gemeinsamen Abendessen bestand die Möglichkeit, eigene Texte zu präsentieren und zur Diskussion zu stellen. Abgerundet wurde der Abend durch Gespräche und Erfahrungsaustausch in gemütlicher Atmosphäre. Continue reading →

Familienchronik über ein tragisches Kapitel der russlanddeutschen Geschichte gewinnt den Kindle Storyteller Award 2018!

Mit der Familienchronik „Wie Gräser im Wind  – Tage des Sturms“ gewann Elvira Zeißler (Ps.: Ella Zeiss) den Kindle Storyteller Award 2018. Wir gratulieren ganz herzlich der Autorin!

Das erste Buch der in Kasachstan geborenen Autorin Elvira Zeißler kam 2007 heraus – weitere Publikationen, mit denen sie eine wachsende Fangemeinde anspricht, folgten Schlag auf Schlag. Inzwischen hat sie über 20 Romane in unterschiedlichen Genres (Fantasy, Liebe, Historisch) im Selbstverlag veröffentlicht, die Gesamtauflage liegt derzeit bei ca. 320.000 verkauften Büchern/eBooks. Im Mai/Juni 2018 erschien unter dem Pseudonym Ella Zeiss ihr erster historischer Roman „Tage des Sturms“ (1. Teil – „Wie Gräser im Wind“, 2. Teil – „Von Hoffnung getragen“), der auf wahren Begebenheiten basiert. Auch bei diesem Buch zeugen Rezensionen und Verkaufszahlen von breitem Interesse. Das eBook von Band 1 hat es kurzzeitig sogar in Top100 der Amazon-Charts geschafft und hielt sich seit ca. zwei Wochen auf Platz 1 in den Kategorien „Biografien und Erinnerungen“ bzw. „Politik und Geschichte“.

Als Vorlage für die berührende Familiensaga dienten die Aufzeichnungen und Erzählungen ihrer Großeltern über das Leben der Deutschen in der Sowjetunion vor und während des 2. Weltkrieges. Trotz der biografischen Bezüge handelt es sich bei der Geschichte dennoch um keine Chronik, sondern um einen spannungsreichen Roman. „Die größte Rolle spielen da die Erzählungen meiner Großmutter, bzw. die Erinnerungen meines Vaters an das, was mein Großvater ihm erzählt hat. Mein Großvater war gesundheitlich leider nicht mehr in der Lage, seine Erinnerungen mit mir zu teilen. Ich habe jedoch bereits in meiner Kindheit, viele Erzählungen aus dieser Zeit mitbekommen. Eine weitere wichtige Quelle war für mich eine Familienchronik, die vor ein paar Jahren erstellt wurde und auch Zeitzeugenberichte und Erinnerungen von Mitgliedern der anderen Familienzweige enthält. Davon habe ich auch viele Episoden einfließen lassen“, erzählt Elvira Zeißler.

Die Geschichte, mit zahlreichen dramatischen Wendungen und Schicksalen bestückt, führt dem Leser die Gräuel der Sowjetdiktatur vor Augen und erinnert daran, dass es echte Menschen waren, die vor nicht allzu langer Zeit, so etwas durchleiden mussten. Continue reading →

Superlative sind schon super!

Läuft es Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, auch manchmal kalt den Rückern herunter, wenn Sie auf bestimmte Formulierungen stoßen, die eindeutig sinnlos, aber dennoch aus unseren Medien nicht mehr wegzudenken sind?

Mir geht es unter anderem bei bestimmten Superlativformen so. In der Schule haben wir alle gelernt, dass der Superlativ nach dem Positiv als Grundstufe und dem Komparativ als Vergleichsform die höchste Steigerungsstufe der Adjektive ist. Genau: die höchste! (Nicht eine der höchsten, die dringend noch weiter hervorgehoben werden müsste.)

Deshalb schaudert es mich jedes Mal, wenn in irgendwelchen Artikeln vom „bestbezahltesten Schauspieler“ oder dem „meistgelesensten Buch“ die Rede ist. Hier sind die jeweiligen Autoren eindeutig übers Ziel hinausgeschossen, denn es handelt sich um zusammengesetzte Adjektive („der gutbezahlte Schauspieler“, „das vielgelesene Buch“), von denen jeweils nur der erste oder der zweite Teil gesteigert werden kann. Es ist also völlig ausreichend, vom „bestbezahlten Schauspieler“ und dem „meistgelesenen Buch“ zu sprechen.

Dies ist auch die einzige Möglichkeit, bei den genannten Beispielen den Superlativ richtig auszudrücken, nicht etwa die „einzigste“. Immerhin gibt es tatsächlich Adjektive, die nicht selbst steigerbar sind. Diese Adjektive heißen Absolutadjektive. Sie können entweder semantisch nicht steigerbar sein (zum Beispiel „viereckig“ oder „lebend“) oder selbst bereits den höchsten oder geringsten Grad ausdrücken: Weniger als „einzig“ geht nun einmal nicht und besser als „optimal“ auch nicht.

Daher ist auch der Einwand einer Kollegin von mir nicht ganz unberechtigt, die bei einer Konferenz an den Dolmetschertisch trat und sagte: „Nervt es Euch eigentlich auch so, wenn jemand sagt: ‚Das hat oberste Priorität’?“ Immerhin ist doch zumindest eine der Bedeutungen des Begriffes „Priorität“ „Erstrangigkeit“, und auch diese ist, streng genommen, nicht zu steigern.

 

Carola Jürchott

www.lust-auf-geschichten.de

Kindheitsrelikte

Im vorigen Blogeintrag ging es um umgangssprachliche Formen in der Lexik, doch auch in der Grammatik sind diese durchaus zu finden.

So bin ich beispielsweise noch damit aufgewachsen, dass man stets korrigiert wurde, wenn man die Präposition „wegen“ mit dem Dativ gebrauchte. Sagten wir als Kinder etwas wie „Wegen dem schlechten Wetter können wir nicht draußen spielen!“, konnten wir sicher sein, dass aus irgendeinem Winkel der Wohnung oder des Klassenzimmers ein mahnendes „Wegen des!“ ertönte.

Zu meinem großen Erstaunen hat mir jetzt ein Blick in die alten Ausgaben des Dudens eröffnet, dass der Dativ auch damals schon verzeichnet war, allerdings eher verschämt in Klammern und mit dem Zusatz „(ugs., bes. österr.)“.  Dennoch galt diese Form damals eigentlich als „falsch“.Continue reading →

Eine Frage des Stils

Bin ich wirklich nicht mehr auf der Höhe der Zeit? Altmodisch, ein Dinosaurier? Ich hoffe, nicht. Dennoch höre ich immer wieder, dass sich die Sprache ja auch verändert und dass man diesen Veränderungen beim Schreiben Rechnung tragen müsse.

Dem stimme ich natürlich zu – ich lebe ja nicht im philologischen Elfenbeinturm. Aber muss es wirklich um jeden Preis sein? Das möchte ich energisch verneinen. Meines Erachtens gibt es nach wie vor Dinge, an denen auch die vielbeschworene Entwicklung der Sprache nichts ändern sollte, wie etwa an der Tatsache, dass es einen Unterschied zwischen gesprochener Sprache und Schriftsprache gibt.

So begegnen mir bei der Korrektur literarischer Texte immer wieder Wörter wie „rauf“ und „runter“, „rein“ und „raus“ und all ihre lexikalischen Geschwister und sonstigen Verwandten. Wie oft ändere ich letztendlich „was“ in „etwas“ und „mal“ in „einmal“!

Liebe Leserinnen und Leser, verstehen Sie mich bitte nicht falsch! Natürlich weiß ich, dass das auch Mittel sein können, um beispielsweise Dialoge lebendiger wirken zu lassen. Aber genau das ist der Punkt: Tauchen diese Formen in der wörtlichen Rede auf und dienen dazu, die individuelle Sprechweise einer handelnden Person zu charakterisieren, halte auch ich diese Varianten für durchaus begrüßenswert. Im reinen Erzähltext jedoch sollte man sich (natürlich je nach Textsorte) in der Regel an einem neutralen Funktionalstil orientieren. Hier ist die Schriftsprache nach wie vor vorzuziehen.Continue reading →