Berührende Familiensaga über tragische Kapitel der russlanddeutschen Geschichte


Das erste Buch der in Kasachstan geborenen Autorin Elvira Zeißler kam 2007 heraus – weitere Publikationen, mit denen sie eine wachsende Fangemeinde anspricht, folgten Schlag auf Schlag. Inzwischen hat sie über 20 Romane in unterschiedlichen Genres (Fantasy, Liebe, Historisch) im Selbstverlag veröffentlicht, die Gesamtauflage liegt derzeit bei ca. 320.000 verkauften Büchern/eBooks. Im Mai/Juni 2018 erschien unter dem Pseudonym Ella Zeiss ihr erster historischer Roman „Tage des Sturms“ (1. Teil – „Wie Gräser im Wind“, 2. Teil – „Von Hoffnung getragen“), der auf wahren Begebenheiten basiert. Auch bei diesem Buch zeugen Rezensionen und Verkaufszahlen von breitem Interesse. Das eBook von Band 1 hat es kurzzeitig sogar in Top100 der Amazon-Charts geschafft und hielt sich seit ca. zwei Wochen auf Platz 1 in den Kategorien „Biografien und Erinnerungen“ bzw. „Politik und Geschichte“.

Als Vorlage für die berührende Familiensaga dienten die Aufzeichnungen und Erzählungen ihrer Großeltern über das Leben der Deutschen in der Sowjetunion vor und während des 2. Weltkrieges. Trotz der biografischen Bezüge handelt es sich bei der Geschichte dennoch um keine Chronik, sondern um einen spannungsreichen Roman. „Die größte Rolle spielen da die Erzählungen meiner Großmutter, bzw. die Erinnerungen meines Vaters an das, was mein Großvater ihm erzählt hat. Mein Großvater war gesundheitlich leider nicht mehr in der Lage, seine Erinnerungen mit mir zu teilen. Ich habe jedoch bereits in meiner Kindheit, viele Erzählungen aus dieser Zeit mitbekommen. Eine weitere wichtige Quelle war für mich eine Familienchronik, die vor ein paar Jahren erstellt wurde und auch Zeitzeugenberichte und Erinnerungen von Mitgliedern der anderen Familienzweige enthält. Davon habe ich auch viele Episoden einfließen lassen“, erzählt Elvira Zeißler.

Die Geschichte, mit zahlreichen dramatischen Wendungen und Schicksalen bestückt, führt dem Leser die Gräuel der Sowjetdiktatur vor Augen und erinnert daran, dass es echte Menschen waren, die vor nicht allzu langer Zeit, so etwas durchleiden mussten. Continue reading →

Eine Frage des Stils

Bin ich wirklich nicht mehr auf der Höhe der Zeit? Altmodisch, ein Dinosaurier? Ich hoffe, nicht. Dennoch höre ich immer wieder, dass sich die Sprache ja auch verändert und dass man diesen Veränderungen beim Schreiben Rechnung tragen müsse.

Dem stimme ich natürlich zu – ich lebe ja nicht im philologischen Elfenbeinturm. Aber muss es wirklich um jeden Preis sein? Das möchte ich energisch verneinen. Meines Erachtens gibt es nach wie vor Dinge, an denen auch die vielbeschworene Entwicklung der Sprache nichts ändern sollte, wie etwa an der Tatsache, dass es einen Unterschied zwischen gesprochener Sprache und Schriftsprache gibt.

So begegnen mir bei der Korrektur literarischer Texte immer wieder Wörter wie „rauf“ und „runter“, „rein“ und „raus“ und all ihre lexikalischen Geschwister und sonstigen Verwandten. Wie oft ändere ich letztendlich „was“ in „etwas“ und „mal“ in „einmal“!

Liebe Leserinnen und Leser, verstehen Sie mich bitte nicht falsch! Natürlich weiß ich, dass das auch Mittel sein können, um beispielsweise Dialoge lebendiger wirken zu lassen. Aber genau das ist der Punkt: Tauchen diese Formen in der wörtlichen Rede auf und dienen dazu, die individuelle Sprechweise einer handelnden Person zu charakterisieren, halte auch ich diese Varianten für durchaus begrüßenswert. Im reinen Erzähltext jedoch sollte man sich (natürlich je nach Textsorte) in der Regel an einem neutralen Funktionalstil orientieren. Hier ist die Schriftsprache nach wie vor vorzuziehen.Continue reading →

Reflexiv oder nicht?

Ist es Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, auch schon passiert, dass Sie einen Satz gelesen und sich zunächst gefragt haben, ob er richtig ist oder nicht, um dann festzustellen, dass Sie selbst auf dem Holzweg waren?

Mir ist es kürzlich so ergangen, als ich in einem Roman las, dass zwei Menschen beim Essen etwas abseits saßen und „sich die Münder mit Stoffservietten abtupften“. Da es sich bei den beiden Protagonisten um ein Ehepaar handelte, hatte ich sofort ein Bild im Kopf, wie sie sich gegenseitig betupften. Ich wollte diese Vorstellung gerade rührend finden, als mir mein Denkfehler klar wurde: Natürlich war jeder mit seiner eigenen Serviette beschäftigt, schließlich stand dort nicht, dass sie „einander die Münder abtupften“.

Genau hier liegt der sprichwörtliche Hund begraben: Dadurch, dass man in der Umgangssprache „einander“ gern durch „sich“ ersetzt und das mittlerweile auch in den Medien nicht selten zu finden ist, entstehen mitunter Missverständnisse an Stellen, wo sie gar nicht nötig wären. Wie gesagt, in diesem Fall lag der Fehler bei mir, doch damit Ihnen nicht Ähnliches widerfährt, möchte ich noch einmal kurz darauf eingehen, wann man das reflexive „sich“ benutzt und wann man es besser vermeiden sollte.Continue reading →

Was lange währt…

 

… ist nicht immer einfach auszudrücken. Oder zumindest nicht immer auf dieselbe Art und Weise. So stieß ich kürzlich in einem sozialen Medium sinngemäß auf einen Satz, der seiner Struktur nach dem folgenden ähnelte: „Solange wir in der Kneipe im Fernsehen das Fußballspiel sahen, war zu Hause mächtig was los.“ Mir drängte sich beim Lesen sofort die Frage auf: Und dann? War, nachdem das Fußballspiel zu Ende war, zu Hause nichts mehr los? Der Kontext deutete eindeutig darauf hin, dass dem nicht so war, und das ist auch schon der springende Punkt: Hier hätte nämlich anstelle der Konjunktion „solange“ eigentlich „während“ stehen müssen.Continue reading →

Von Auslassungszeichen und ausgelassener Zeichensetzung

Unterstützung für Kid’s

Als ich kürzlich diese Werbung las, wurde mir klar, dass die inflationäre Verwendung eines Zeichens, das eigentlich Auslassungen anzeigen sollte, offensichtlich eine neue Stufe erreicht hat. Immer wieder liest man in letzter Zeit vom sogenannten Deppen-Apostroph, der, wenn er einen Genitiv markieren soll, aus dem Englischen ins Deutsche geradezu herübergeschwappt ist. Gemeint ist damit die regelwidrige Verwendung des Apostrophs an Stellen, wo dieser gänzlich überflüssig ist. Dieses Phänomen ist jedoch meist bei Genitivformen zu finden; mit ihm, wie oben geschehen, auch noch eine Pluralform zu bilden, ist dann schon gewissermaßen die „hohe Schule“.

Hält man sich an althergebrachte Regeln des Hochdeutschen, genügt für die Kennzeichnung des 2. Falls in der Grammatik nämlich das s, das ohne weitere Zeichen an den jeweiligen Namen angehängt wird. Unverzichtbar ist der Apostroph nur in einem einzigen Fall: wenn der Name, der in den Genitiv gesetzt werden soll, mit einem reinen oder modifizierten s-Laut endet, also auf –s, -ss, -ß, -z, -tz oder –x. Hier wird nämlich das zusätzliche s, mit dem der Genitiv gebildet werden sollte, ausgelassen. „Günter Grass‘ Roman“ und „Ringelnatz‘ Humor“ sind also richtig, während „Günter’s Blechtrommel“ und „Joachim’s Gedichte“ wohl bei beiden zumindest ein Stirnrunzeln hervorrufen würden.Continue reading →

„Die Birkeninsel“ von Heinrich Rahn

Der Titel des Romans „Die Birkeninsel“ stellt den zentralen Dreh- und Wendepunkt des Geschehens dar. Jedes Mal, wenn die magische Insel erscheint, wird die Handlung auf unvorhergesehene Weise vorangetrieben.
Organische Verschmelzung mit der Natur, tiefe Verbunden­heit von Mann und Frau, Raum und Zeit, Traum und Wirklichkeit, Magie und Wissenschaft – all das wird in diesem Roman durch den sensiblen Protagonisten Rene beleuchtet und durchlebt. Durch den 2. Weltkrieg entwurzelt, führt sein Weg ihn von der Ukraine, nach Deutschland, über Sibirien nach Kasachstan. Als naturverbundener Junge hat er eine außergewöhnliche Vorstellungskraft und findet sich oft in einer Birkeninsel ein, wo ihm die Bäume magische Geschichten zu flüstern scheinen. Dieser „Schein“ ändert sich im Laufe seines Lebens in „Sein“. Denn die nur geträumt geglaubten Geschichten verbinden sich mehr und mehr mit der Realität. So steht Rene immer wieder vor der Frage, was „wirklich“ ist. Sei­ne große Liebe zur Natur und zu der mysteriösen Tawi treibt ihn an, diese Frage zu lösen.

Heinrich Rahn

1943 im Dorf Sparau, Ukraine, in einer deutschen Familie geboren. Nach dem Krieg kam die Familie erst nach Nordsibirien (Deportation), dann nach Kasachstan. In der Stadt Schtschut­schink absolvierte er 1965 eine Inge­nieurschule und arbeitete dann in verschiedenen Baukombi­naten als leitender Bauingenieur. Seit 1990 in Deutschland in ver­schiedenen Archi­tek­turbüros tätig, heute im Ruhestand. So kann er sich ganz auf seine schriftstellerische Leidenschaft konzentrieren, der er seit seiner Kindheit treu geblieben ist. Im Geest-Verlag bereits erschienen: Der Jukagire (2008) und Aufzug Süd-Nord (2011). Heinrich Rahn wurde 2015 vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst gefördert.

Das Buch ist erschienen im Geest-Verlag, 2018, 404 S., 12.80 Euro, ISBN 978-3-86685-673-8

Leseprobe aus „Die Birkeninsel“

Eine weitere Tücke des S

Gerade habe ich den folgenden Satz im Fernsehen gehört: „Verlangt wird nichts weniger als Perfektion.“ Dass es sich um einen Bericht über die letzte Kavalleriestaffel der französischen Gendarmerie handelte, tut zwar grammatisch nichts zur Sache, verleiht der Aussage aber noch ein wenig mehr Brisanz: Warum sollte ausgerechnet am 14. Juli, dem Nationalfeiertag der Grande Nation, kein Wert auf Perfektion gelegt werden?
Genau das ist es nämlich, was mit diesem Satz ausgesagt wird. Verlangt man „nichts weniger als Perfektion“, bedeutet das im Umkehrschluss, dass alles andere mehr verlangt wird als Perfektion, da diese sozusagen an letzter Stelle der Prioritäten steht. Schließlich gibt es offenbar nichts, das weniger verlangt wird.

Gemeint hat der Kommentator jedoch das ganze Gegenteil – verlangt wird nicht weniger als Perfektion. Mit weniger als der perfekten Parade dieser Kavalleriestaffel gibt man sich nämlich nicht zufrieden. Continue reading →

„Kurzweil durch Mathe“

So hieß zwar zu meiner Kinderzeit ein Buch, mit dessen Hilfe Kinder unterhaltsam an mathematische Probleme herangeführt werden sollten, doch auch bei Übersetzungen sorgt die Zahlenwelt immer wieder einmal dafür, dass es nicht langweilig wird, bzw. dafür, dass man als Übersetzer besonders aufpassen muss.
Der Klassiker unter diesen Problemen sind statistische Angaben, in denen erwähnt wird, dass sich ein Wert um einen anderen auf einen dritten erhöht oder verringert.
Die Tatsache, dass die russische Präposition „на“ ansonsten in vielen Fällen mit „auf“ übersetzt werden kann, ist in diesem Fall eher kontraproduktiv und führt immer wieder zu sogenannten Interferenzfehlern. Damit werden Fahler bezeichnet, die sich einschleichen, wenn man Konstruktionen aus der einen Sprache zu leichtfertig in eine andere übernimmt. So ist es auch hier.Continue reading →

Ein Antibiotikum und viele Periodika

Haben Sie, liebe Leserinnen und Leser, auch manchmal das Gefühl, mit Ihrem Latein buchstäblich am Ende zu sein? Dann sind Sie damit auf keinen Fall allein, denn immer wieder hört man (und manchmal liest man es sogar), dass die Unterscheidung zwischen Singular- und Pluralformen von Wörtern, die aus dem Lateinischen stammen und dort auf „-um“ enden, vielen Menschen auch im Deutschen Schwierigkeiten bereiten.
Da werden dann die Pluralformen, die auf „-a“ enden, behandelt, als wären sie eine Einzahl, und bekommen im schlimmsten Fall auch noch den Artikel buchstäblich vor die Nase gesetzt, der eigentlich der Singularform zustände. Besonders Übereifrige hängen dann an diese Form noch das Plural-s, wenn sie ausdrücken möchten, dass nicht nur von der Einzahl die Rede ist.Continue reading →

Verdichtete Zeit – Zum neuen Lyrikband von Agnes Gossen „Flügelschlag der Zeit“

Ein Gastbeitrag von Melitta L. Roth

Agnes Gossens neu erschienene Gedichtsammlung befasst sich mit einem Phänomen, das unser ganzes Leben durchzieht – der Zeit. Sie nähert sich in ihren Versen dem Thema lyrisch und philosophisch und zeigt, dass Zeit nicht nur eine rein physikalische Größe ist, sondern ein großes Geheimnis.

Der neue Band der Dichterin Agnes Gossen trägt den Titel „Flügelschlag der Zeit“ und ist in Mai 2018 im Burau-Verlag erschienen. Was ihn thematisch zusammenhält, ist das Motiv der Zeit. In vier Zyklen unterteilt, breitet das Büchlein verschiedene Facetten dieses alles durchdringenden Phänomens vor uns aus und bietet Anstöße zum Nachdenken über das Vergangene, das Gegenwärtige und das Zukünftige.

Die meisten Gedichte in diesem Band sind in freien Versen gehalten, gelegentlich finden sich Reime darunter. Es sind offene, klare Worte, die Schönheit oder Melancholie beschreiben, innere Monologe über Natur und Vergänglichkeit. In ihren Versen verarbeitet Agnes Gossen unter anderem die Sehnsucht nach einer vergangenen Liebe, den Verlust der Heimat und das Ankommen in einem neuen Land. Die Einsamkeit kommt darin vor ebenso wie der Wunsch, dem zermürbenden Alltag mithilfe der Poesie zu entfliehen.

Für das Verstreichen der Zeit wählt die Dichterin häufig Symbole wie den Fluss, das Meer oder den Regen. Strömend, fließend, aber auch unkontrollierbar wie das Wasser. Auch die Form ihrer Poesie selbst hat etwas Leichtes, Fließendes – wie das Wasser.Continue reading →