Literaturalmanach

Unser Verein gibt fast jedes Jahr einen Almanach (Literaturblätter der Deutschen aus Russland) mit ausgewählten literarischen Beiträgen seiner Autoren und einiger Gäste heraus, in deutscher und russischer Sprachen. Der Almanach 2013 auf Deutsch ist bereits vergriffen und ist ausschließlich in einigen wenigen Bibliotheken einzusehen. Bestellungen für die Literaturalmanache 2014, 2015/2016 werden gern angenommen. Das Buch gibt es aber auch im regulären Handel zu bestellen oder direkt beim Anthea Verlag in Berlin.

Almanach_2015_16_Böpple_cover_groß.jpgIm März 2016 erschien im Anthea Verlag eine Anthologie, die seit 1995 in fast regelmäßiger Folge vom Literaturkreis der Deutschen aus Russland herausgegeben wird.

Werke von mehr als zwanzig Autoren und Autorinnen sind diesmal versammelt – darunter bekannte Namen wie Eleonora Hummel, Elena Seifert, Agnes Gossen, Artur Rosenstern oder Andreas Peters, ebenso einige beachtenswerte Neuentdeckungen wie Ida Häusser, Elena Daj, Katharina Martin-Virolainen, Erika Neufeld, Melitta L. Roth, Sergej Tenjatnikow, Edgar Seibel, Jelena Woitas u. a.

„Das (hoch-)gelobte Land“ lautet bezeichnenderweise der Titel dieser Sammlung. Er verweist darauf, dass die Menschen im Zuge ihrer Auswanderung nach Deutschland so manche Illusion über die neue Heimat gehegt haben, die sich nach der Ankunft recht bald in Luft aufgelöst hat. Der rote VW-Käfer auf dem Umschlag, als eine Reminiszenz an die bundesrepublikanische Ära und ein Symbol für das Deutsche an sich, deutet mitsamt seiner Spiegelung ebenfalls das Andocken an dieses varzaubert-entzauberte Land an.

Herausgekommen ist eine abwechslungsreiche Mischung aus Lyrik und Prosabeiträgen in deutscher Sprache, nebst einem Interview mit dem 2015 verstorbenen Schriftsteller Anatoli Steiger und einer Rezension des Märchens „Fäustlinge auf Wanderschaft“ von Nadja Runde. Eine weitere Rubrik nennt sich „Erinnerungen, Zeitzeugenberichte und Texte zur Integration“. Diese Aufzeichnungen behandeln Fragen nach Abschied und Ankunft oder setzen sich mit der wechselvollen Geschichte der Volksgruppe auseinander. Es ist nach wie vor wichtig, diesem Diskurs seinen angemessenen Raum zu geben, da es bis in die späten 80er Jahre in der Sowjetunion keine Möglichkeiten gab, zensurfrei über Themen wie Deportation oder die erlittenen Gräuel im Zweiten Weltkrieg zu berichten. Es ist nicht weiter erstaunlich, dass sich auch außerhalb der Zeitzeugenberichte viele Texte im Wesentlichen um Identität, die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit oder die Wahrnehmung des eigenen Fremdseins in der hiesigen Gesellschaft kreisen.

Umso bemerkenswerter ist es, dass einige Beiträge des vorliegenden Jahrbuchs sich vollständig von solchen Inhalten lösen und sich anderen, allgemeineren Sujets zuwenden. Könnte das ein Zeichen dafür sein, dass die Russlanddeutschen endlich angekommen sind? Wie weit gehen sie in dieser Gesellschaft auf und was ist ihnen geblieben von dem Land, in dem sie viele Generationen lang gelebt haben? Ungeachtet der Aussagekraft und Wandlungsfähigkeit ihrer Arbeiten finden russlanddeutsche Autoren im deutschen Literaturbetrieb leider noch zu wenig Beachtung. Gleich im ersten Beitrag der Anthologie setzt sich Eleonora Hummel deshalb mit der Wahrnehmung russlanddeutscher Literatur in der bundesdeutschen Öffentlichkeit auseinander.

Die Bilder im Innenteil des Buches stammen von zwei Künstlern, dem in Kaarst lebenden Nikolaus Rode und von Reiner Graner aus Rheinbach.

Artur Böpple (Hg.)
Das (hoch-)gelobte Land
Literaturblätter der Deutschen aus Russland
Almanach 2015/16
Anthea Verlag, Berlin
Broschur, 14 x 21 cm, ca. 320 Seiten, Abbildungen, 14,90 €
ISBN 978-3-943583-49-6

 

cover_front_page_smallFremde Heimat Deutschland?
„Literaturblätter der Deutschen aus Russland“ – Almanach 2014

Artur Böpple (Hg.)

Paperback, 14 x 21 cm, ca. 344 S., 14,90 €
ISBN 978-3-943583-53-3

Kurz vor dem 20-jährigen Jubiläum des Literaturkreises der Deutschen aus Russland e.V. erschien im Berliner ANTHEA Verlag der neue Almanach des Literaturkreises, der dem Andenken des 2013 verstorbenen Autors Viktor Heinz gewidmet ist, einem der bekanntesten deutschen Autoren aus Russland, der zu den Mitbegründern des Vereins gehörte (beachten Sie unten den Link zur Audio-Datei, auf der eine der Geschichten von Heinz zu hören ist).

Präsentation auf der Leipziger Buchmesse 2015Das Redaktionsteam des Almanachs veranstaltete auch im Jahr 2014 einen bundesweiten Literaturwettbewerb, der allen Autoren in Deutschland offen stand, ungeachtet der Herkunft, Religion, Alter, Geschlecht und Staatsangehörigkeit. Eine unabhängige Jury, die aus zwei Autoren und einer Schauspielerin bestand, bestimmte die Sieger des Wettbewerbs. Die Siegerbeiträge wurden in diesem Jahrbuch an erster Stelle abgedruckt (Gewinner in der Kategorie Prosa: Micaela Daschek; in der Kategorie Lyrik: Andreas Peters und in der Kategorie Junger Autor unter 35 J.: Julia-Maria Warkentin). Danach folgen ausgewählte Prosabeiträge, Lyrik, Zeitzeugen- und Integrationsberichte. Am Ende Rezensionen, Erinnerungen und Nachrufe. Letztendlich ist eine interessante Mischung aus bunten Texten entstanden, eine Art literarisches Kaleidoskop mit Beiträgen von deutschen Autoren aus Russland als auch Autoren, die in Deutschland geboren sind. Der Band besticht gerade durch diese ungewöhnliche Mischung, die sich als „literarischer Dialog“ zweier Kulturen lesen lässt. Originell sind die unterschiedlichen Blickwinkel auf verwandte Themen wie Heimatverlust, Heimatfindung, Sich-fremd-Fühlen, Ausgestoßensein und ähnliches.

Bei allen drei Siegerbeiträgen gilt: sie haben den Nerv der Zeit getroffen. Andreas Peters gewann damit nicht seinen ersten Literaturpreis (zuletzt auch den begehrten „Hochstadter Stier 2015“, s. dazu die Heimatzeitung vom 27.03.2015, oder auch die Süddeutsche Zeitung vom 2.02.2015). Immer wieder wendet er sich in seiner Lyrik den aktuellen politischen Problemen und der Integrationsthematik zu. Die beiden Siegertexte in der Kategorie Prosa handeln von Problemen junger Frauen: Im gegenwärtigen Russland bei Micaela Daschek (Der Zobel) und bei Julia-Maria Warkentin (Die verlorene Tochter) hier in Deutschland.

Unter den Lyrikern findet man viele neue Namen von experimentierfreudigen jungen Autoren, aber auch etliche preisgekrönte Autoren wie zum Beispiel Wendelin Mangold (Hessischer Integrationspreis 2013), Agnes Gossen (Russlanddeutscher Kulturpreis des Landes Baden-Württemberg 2010, Ehrengabe), Elena Seifert (ebenfalls Russlanddeutscher Kulturpreis des Landes Baden-Württemberg 2010, Hauptpreis) oder Artur Rosenstern (u.a. Gewinner des Leverkusener Short-Story-Preises 2015). Von den in Deutschland geborenen Autoren stechen die Beiträge des jungen Lyrikers Thomas Rackwitz hervor (unter anderem Féile Filíochta Award und Walter-Bauer-Stipendium der Städte Merseburg und Leuna).

Den Textteil begleiten Aquarelle und Ölbilder des Bonner Malers Reiner Graner.

Der Band kostet 14,90 € und kann beim Anthea Verlag in Berlin oder im regulären Buchhandel erworben werden.

Am 14. März 2015 präsentierten wir dieses Buch auf der Leipziger Buchmesse der Öffentlchkeit:

Hörproben aus diesem Buch:

(gelesen von Carola Jürchott)

„Der neue Pygmalion“ von Viktor Heinz (auf YouTube)

„Ein Blick ins Buch und zwei ins Leben“ von Carola Jürchott  (auf YouTube)