Wie viel Autonomie ist zulässig?

Auch wenn die Überschrift wieder etwas ketzerisch klingt, ist der Inhalt dieses Beitrags doch nach wie vor rein sprachlicher und keineswegs politischer Natur. Hier geht es nämlich ausschließlich um den Begriff „Autonomie“ als solchen. Die „Autonomie von Lehre und Forschung“ ist ein hohes Gut und für deutsche Universitäten und Hochschulen mittlerweile selbstverständlich. Dass Basken und Katalanen seit Jahrzehnten für ihre Autonomie kämpfen, ist ebenfalls eine Binsenweisheit. In beiden Fällen ist die Autonomie etwas Abstraktes, im ersten die Entscheidungsfreiheit, die Bildungseinrichtungen nicht vom Staat genommen werden kann, und im zweiten die Unabhängigkeit bzw. Selbstständigkeit als solche.

Diese Interpretationen des Begriffes „Autonomie“ sind laut Duden zulässig. Wie aber sieht es aus, wenn, wie ich es häufig in Texten über die Geschichte der Russlanddeutschen lese, das Wort „Autonomie“ gebraucht wird, um etwas Konkretes zu bezeichnen, meist eine bestimmte Verwaltungseinheit? Immer wieder wird da „Autonomie“ quasi als Oberbegriff für ein administratives Konstrukt gebraucht, das zunächst ein „Autonomes Gebiet“ war und später zur „Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik“ wurde.

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Sag mir, wie du heißt … (1)

… und ich sage dir, wer du bist. So müsste dieser Satz weitergehen, würde man dem altbekannten Muster folgen. Ganz so ist es sicher nicht, denn das würde bei Weitem zu pauschal klingen. Dennoch können Namen etwas über die Biografie ihrer Träger aussagen, und ich finde, das sollten Autoren bei der Namensfindung für ihre literarischen Figuren berücksichtigen, wenn es sich um fiktionale Texte handelt. Zu unterscheiden sind hierbei nationale, temporale, lokale und soziale Konnotationen.
Die erste Frage, die sich bei der Vergabe eines Namens für eine Figur natürlich stellt, ist die Überlegung, wo diese Figur lebt und welchem Kulturkreis sie angehört. Dies gilt sowohl für eigene Texte als auch für Übersetzungen. Ein Beispiel für die Problematik bei Letzteren sind etwa die „Baskischen Erzählungen“ in der Übersetzung von Hans Josef Vermeer. Dieser berühmte Übersetzungswissenschaftler und Vater der Skopostheorie hat sich mit seiner Übersetzung selbst strikt an diese gehalten. Davon ausgehend, dass eine gute Übersetzung nicht wie eine Übersetzung klingen und beim Leser in der Zielsprache denselben Effekt erzielen soll wie beim Leser in der Sprache des Originals, hat er auch die Namen der Figuren verändert, damit sie für den deutschen Leser nicht „fremd“ klingen. So haben nun in diesen Erzählungen baskische Figuren Namen wie „Hinz“ und „Lutz“. Verfolgt man damit einen bestimmten Zweck – wie Vermeer, der mit seiner Übersetzung ein Anwendungsbeispiel für die Skopostheorie geschaffen hat- , ist ein solches Vorgehen legitim, solange man es für den Leser der Übersetzung an irgendeiner Stelle begründet.

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Superlative sind schon super!

Läuft es Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, auch manchmal kalt den Rückern herunter, wenn Sie auf bestimmte Formulierungen stoßen, die eindeutig sinnlos, aber dennoch aus unseren Medien nicht mehr wegzudenken sind?

Mir geht es unter anderem bei bestimmten Superlativformen so. In der Schule haben wir alle gelernt, dass der Superlativ nach dem Positiv als Grundstufe und dem Komparativ als Vergleichsform die höchste Steigerungsstufe der Adjektive ist. Genau: die höchste! (Nicht eine der höchsten, die dringend noch weiter hervorgehoben werden müsste.)

Deshalb schaudert es mich jedes Mal, wenn in irgendwelchen Artikeln vom „bestbezahltesten Schauspieler“ oder dem „meistgelesensten Buch“ die Rede ist. Hier sind die jeweiligen Autoren eindeutig übers Ziel hinausgeschossen, denn es handelt sich um zusammengesetzte Adjektive („der gutbezahlte Schauspieler“, „das vielgelesene Buch“), von denen jeweils nur der erste oder der zweite Teil gesteigert werden kann. Es ist also völlig ausreichend, vom „bestbezahlten Schauspieler“ und dem „meistgelesenen Buch“ zu sprechen.

Dies ist auch die einzige Möglichkeit, bei den genannten Beispielen den Superlativ richtig auszudrücken, nicht etwa die „einzigste“. Immerhin gibt es tatsächlich Adjektive, die nicht selbst steigerbar sind. Diese Adjektive heißen Absolutadjektive. Sie können entweder semantisch nicht steigerbar sein (zum Beispiel „viereckig“ oder „lebend“) oder selbst bereits den höchsten oder geringsten Grad ausdrücken: Weniger als „einzig“ geht nun einmal nicht und besser als „optimal“ auch nicht.

Daher ist auch der Einwand einer Kollegin von mir nicht ganz unberechtigt, die bei einer Konferenz an den Dolmetschertisch trat und sagte: „Nervt es Euch eigentlich auch so, wenn jemand sagt: ‚Das hat oberste Priorität’?“ Immerhin ist doch zumindest eine der Bedeutungen des Begriffes „Priorität“ „Erstrangigkeit“, und auch diese ist, streng genommen, nicht zu steigern.

 

Carola Jürchott

www.lust-auf-geschichten.de

Wie erweitert man als Autor seine sprachlichen Kompetenzen?

Die Sprache ist es, die dem Leser die Geschichte eines Autors vermitteln soll. Sie ist, wie Frisch einst meinte, die „Oberfläche eines literarischen Werkes“. Nun werden die wenigsten Autoren mit einer perfekten Sprache geboren. Und es ist eben diese Komponente, die das künstlerische Potenzial eines Autors ausmacht. Was bleibt dem Autor anderes übrig, als in dieser Sparte die Perfektion anzustreben und immer wieder mit sich kritisch ins Gericht zu gehen und sowieso ständig auf der Suche nach dem perfekten Wort zu sein.

Die sprachlichen Fähigkeiten verbessern

Dazu empfehlen sich verschiedene Übungen, die regelmäßig zu absolvieren sind. Als Autor hört man auch nie damit auf. Das nur vorweg. Sprachliche Kompetenzen kann man zum Beispiel durch Lesen erweitern, durch das Studieren seiner Vorbilder oder von Autoren-Kollegen. In Übungen darf man diese ruhig nachahmen. Noch besser, man parodiert sie, treibt ihre Sprache auf die Spitze, umso besser zu erkenen und zu lernen.

Lektüre aller Cou­leur

Sprache erweitert man durch Lesen. Und zwar durch das Lesen jedweder Lektüre. Von Sachartikel bis zum Roman, vom Zeitungsartikel bis zur Werbebotschaft. Unbekannte Wörter werden notiert und auch Wörter, die einem gut gefallen. Ein Jargon lässt sich gut aus Interviews in Regionalzeitungen erlernen oder studieren. Noch effektiver ist allerdings die Alltagssprache. Hören Sie den Leuten zu – bei jeder Gelegenheit und jedem Ort. Versuchen Sie, das Gesagte wortwörtlich aufzuschreiben. Viele Worte gehen beim Sprechen verloren. Vor Ort lernt man auch die besonderen Sprachen zum Beispiel der Jugendlichen oder bestimmter Berufsgruppen. Auf www.buchschreiben.com gibt es noch weitere Informationen für angehende Autoren, zum Beispiel wie man einen Buchverlag findet.