„Leben und Tod von Godehard Drachenhund“, eine Leseprobe von Max Schatz

Sonettenkranz aus „Nihilschwimmer“,

erschienen im ostbooks Verlag, 2020.

I

So wie du gingst, so kommst du wieder her,
zerbrechlich, winzig wie ein Blatt im Winde,
und aller Welt Glück liegt in diesem Kinde,
sagt man und meint, du seist noch „nirgendwer“.

In dir die Welt, vor dir der Wege Meer
(wo jeder zweite sei ein Weg der Sünde),
so jeder Fluss in einen andren münde,
doch jener ist er selbst und sonst nichts mehr.

Zum ersten Mal hast du das Licht erblickt,
von einem Stern, der Sonne heißt, geschickt,
das Glück der Eltern, Lächeln der Hebamme.

Gott geizte nicht mit Leben, Raum und Zeit,
erfreu dich an der Dinge Einfachheit!
Noch bist ein Funken nur, noch keine Flamme.

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Workshop „Schreiben fürs Theater“ mit Jurij Diez

9. bis 11. September 2022 in der Villa Welschen, Am Lehmstich 15, Oerlinghausen.


Veranstalter: Literaturkreis der Deutschen aus Russland e. V.

Jurij Diez während des Workshops

Der Literaturkreis der Deutschen aus Russland e. V. veranstaltete vom 9. bis 11. September 2022 in der Heimvolkshochschule St. Hedwigs-Haus in Oerlinghausen einen Workshop zum Thema „Schreiben fürs Theater“ mit dem Münchener Schauspieler und Regisseur Jurij Diez.

Zwanzig Autorinnen und Autoren mit vornehmlich russlanddeutschem Hintergrund kamen an diesem Wochenende zusammen, um die Grundlagen des szenischen Schreibens zu erlernen. Das Theater begeistert und hilft Menschen, sich selbst, die Welt, das Leben besser zu verstehen, zu fühlen und bestimme Situationen aus einer anderen Perspektive zu betrachten.  In diesem Workshop tauchen die Teilnehmenden gemeinsam in die Welt des dramaturgischen Schreibens ein und entwickelten anhand konkreter Biografien Ideen und Konzepte für ein Bühnenstück.  

Vorstand
Literaturkreis der Deutschen aus Russland e. V.

Das Projekt wurde gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien und das Kulturreferat für Russlanddeutsche (Detmold).

Katharina Martin-Virolainens Romandebüt “Die Stille bei Neu-Landau“ – eine Rezension

Vergang’ne Zeiten kehr’n niemals wieder… Doch wenn die Alten das Glas erheben, dann kehrt noch einmal die Jugend zurück. Nur als Margo dieses Ständchen, das Lied Schön ist die Jugend, zu ihrem 80. Geburtstag vernimmt, sind es keine schönen Erinnerungen, die sie einholen. Denn die Jugend ist ihr geraubt worden und irgendwo zwischen der Ukraine, Deutschland und Kasachstan buchstäblich auf der Strecke geblieben …

Ein Gastbeitrag von Tatjana Kohler

Wie viel kann ein Herz ertragen?

„Die Beamtin, die schon einige Jahre Berufserfahrung hatte, war auf solch eine Situation in keiner Fortbildung, in keinem Workshop und in keiner Gruppensitzung vorbereitet worden. Mit zitternder Stimme erzählte sie der alten Dame, dass sie ihren Mann gefunden haben…“

Ich erinnere mich noch genau an die Erzählung „Ein gewöhnlicher Fall“ aus Katharina Martin-Virolainens Erstlingswerk „Im letzten Atemzug“. Damals dachte ich bei mir: Was für ein schweres Los! Zwar hatte es auch unter meinen schwarzmeerdeutschen Vorfahren gewaltsame Trennungen und Verschollene gegeben. Doch dass ein Ehepaar, deren einziges Liebeszeugnis eine gemeinsame Tochter war, den jeweiligen Partner jahrzehntelang für tot hielt? Nein, allein die Gewissheit, dass es solche Leidenswege tatsächlich gab, empfand ich bei der Lektüre schier unerträglich.

Zwei Jahre später versank ich in Katharina Martin-Virolainens Roman-Debüt „Die Stille bei Neu-Landau“ und lernte eine weitaus grausamere Variation desselben Erzählstoffs kennen. Denn plötzlich ist es außer dem alten Mütterchen auch noch seine Schwester, die unter dem Verschwinden des Mannes mit dem Namen Christian Stille ein Leben lang still vor sich hin gelitten hat.

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Trau, schau, wem?

Der Inhalt dieser Redewendung, die meine Großmutter so gern benutzte, erschloss sich mir in meiner Kindheit erst nach und nach, und auch die grammatikalischen Fallstricke, die zumindest das erste der beiden Verben in sich birgt, treten hier noch nicht so offensichtlich zutage.
Häufig hört man nämlich Sätze wie:
„Ich traue mir das nicht.“
Liest man nun die Überschrift, könnte man denken: „Natürlich, ‚trauen‘ verlangt den Dativ.“ Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit.
Wenn es wie in der Redewendung darum geht, ob man jemandem trauen kann, ist das zweifellos richtig. Hier geht es um das Vertrauen, das man einer Person entgegenbringt, und dafür ist der Dativ natürlich das einzig Wahre.

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Kinderbuch „Du bist schwer in Ordnung, Hannah“ von Andreas A. Peters erschienen

Mit dem Buch „Du bist schwer in Ordnung, Hannah“ von dem preisgekrönten Autor Andreas A. Peters eröffnete der BKDR Verlag eine neue Buchreihe, die sich an Kinder verschiedenen Alters richtet. Es sind in dem Buch vernehmlich Kindergedichte und Lieder über Gott und die Welt zu finden…

Ein Buch mit Kindergedichten und Liedern über Gott und die Welt!

Der Autor selbst, dessen Kind nämlich von einer der Trisomie-Formen betroffen ist, gibt allerdings an, es sei ein Buch für Kinder UND Erwachsene. Man merkt den Texten an, dass sich der Autor mit diesem Themenkomplex intensiv beschäftigt hat.

Die renommierte deutsche Literaturzeitschrift „DAS GEDICHT“, in der Andreas A. Peters quasi Stammautor ist, hatte vor etlichen Jahren eine Ausgabe über Religion und Poesie herausgebracht, darin auch einen Teil über religiöse Kindergedichte. Die Ausgabe löste eine sehr positive Resonanz aus und inspirierte Peters, diese Idee weiter zu verfolgen bzw. lyrisch zu verarbeiten. Aus dieser Idee ist dieses Buch entstanden.

Der bekannte russlanddeutsche Autor Wendelin Mangold schreibt im Nachwort zu diesem Buch treffend:

„Er (Autor) weiß, dass Kinder mit Fragen über Gott und die Welt direkt und unbeschwert umgehen können, daher auch oftmals weiser als die Greise sind, da sie noch nicht ganz mit Klischees zugepflastert wurden, einen offenen Blick haben, wenn sie auch noch nicht viel vom Weltall, von Politik, Kriegen, Mord- und Totschlag wissen, noch einen niedrigeren Abstraktionsgrad besitzen als die Erwachsenen und die Welt und die Menschen ausschließlich gut finden.“

Zum Autor

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Von Bindungen und Koppeleien

Es ist schon eine Weile her, dass ich beim Lesen einer öffentlich-rechtlichen Videotext-Meldung über den folgenden Satz stolperte: „2019 will dann auch das Hamburger-Duo Laura Ludwig/Kira Walkenhorst wieder topfit sein, um den Titel vor heimischer Kulisse zu verteidigen.“

Gut, das berühmte Beachvolleyball-Duo ist nicht mehr zusammen, aber musste man es deshalb damals schon sozusagen verbal zu Hackfleisch verarbeiten?
Dieses Missverständnis macht nämlich der Bindestrich im „Hamburger-Duo“ möglich. Zugegeben, hier hätte eine gendergerechte Sprache helfen können, denn dann wäre es wenigstens ein Hamburgerinnen-Duo gewesen, was jedoch auch nur die halbe Wahrheit gewesen wäre, da keine der Damen Hamburgerin ist. Gemeint war in diesem Fall wohl die Tatsache, dass beide für den Hamburger SV antraten, und genau da liegt nun auch der berühmte Hase im sprichwörtlichen Pfeffer. Um diesem Umstand Ausdruck zu verleihen, hätte es genügt, den Bindestrich einfach wegzulassen, was heutzutage in anderen Zusammenhängen eigentlich eher inflationär anzutreffen ist. Hier aber hätte das Leerzeichen verdeutlicht, dass es sich eben nicht um ein aus Hamburgern bestehendes Duo, sondern um ein Duo aus Hamburg gehandelt hat.

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Lesungen im online-Format sind noch abrufbar

Im Rahmen der „Russlanddeutschen Kulturtage 2021“ der LmDR (NRW) konnten der Landesverband der LmDR NRW und der Literaturkreis der Deutschen aus Russland im Herbst 2021 einige Lesungen im online-Format durchführen. Eine Reihe weiterer Kulturevents bzw. Videos aus der Reihe „Russlanddeutsche Kulturtage 2021“ finden sich auf dem YouTube-Kanal der LmDR (NRW).

Am 30.11.2021 stellten junge AutorInnen Katharina Dück, Juri Bender und Waldemar Masson ihr Schaffen in einer Lesung vor. Lesung sehen …

Am 9.12.2021 wurde der Almanach 2021 unter dem Titel „Im Wandel des WIRs“ vorgestellt, mit Julia Podelo, Andreas A. Peters und Nelli Kossko, moderiert von Artur Rosenstern. Lesung sehen …

„Literarische Nachklänge“ – Hörbuch mit Texten russlanddeutscher Autorinnen und Autoren erschienen

Russlanddeutsche Literatur ist in Deutschland wenig bekannt. Aus diesem Grund konzipierten wir gemeinsam mit der LmDR e. V. im Frühjahr 2021 das Projekt „Russlanddeutsche Literatur online“. In Kooperation mit dem Bayerischen Kulturzentrum der Deutschen aus Russland und dem Kulturreferat für Russlanddeutsche (Detmold) entstanden nun professionelle Audioaufnahmen von Texten der Autorinnen und Autoren wie z. B. Nora Pfeffer, Johann Warkentin, Viktor Heinz und vielen anderen. Eingelesen von Martina Leon und Michael Helm. Gefördert wurde das Projekt durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Vor allem die älteren Texte von sogenannten „Klassikern“ sind hierzulande entweder nur schwer oder gar nicht zu bekommen. Selbst wenn sie zugänglich sind und hier und da (leider selten im regulären Buchhandel) erworben werden können, wissen nur wenige Literaturkenner diese literarischen Raritäten zu schätzen. Um diesen Texten ein Stück an die breite Öffentlichkeit zu verhelfen, wurde das Hörbuch mit dem Titel „Literarische Nachklänge“ (bestehend aus 2 CDs) produziert. Die Textauswahl zu diesen Aufnahmen basiert auf dem Lesebuch „Russlanddeutsche Literatur“, welches der russlanddeutsche Autor und Germanist Dr. Wendelin Mangold bereits 1999 zusammengestellt hatte.

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Jahrestage über Jahrestage

Wie in jedem Jahr bietet der Jahresanfang auch diesmal eine gute Gelegenheit, sich einen Überblick über anstehende Jubiläen zu verschaffen. So liest man, dass Judy Garland und Doris Day demnächst 100 Jahre alt geworden wären, Molière hingegen bereits 400, Friedrich I. Barbarossa würde nun gar schon 900 Lenze zählen, und E. T. A. Hoffmann ist bereits vor 200 Jahren verstorben.
Wie aber formuliert man all diese Informationen unmissverständlich und sogar mathematisch richtig? Auch wenn die Frage lapidar wirken mag, möchte ich an dieser Stelle noch einmal darauf eingehen, obgleich die Jubiläen bereits Thema eines anderen Blogartikels hier waren. Doch auch in öffentlich-rechtlichen Medien hört man immer wieder Sätze, die einen in dieser Hinsicht aufhorchen lassen. So verkündete beispielsweise kürzlich der Moderator des von mir bevorzugten, auf kulturelle Themen spezialisierten Radiosenders:
„Gustave Flaubert: Heute jährt sich sein 200. Geburtstag.“
Etwas weiter zurück liegt die ebenfalls etwas verblüffende Nachricht:
„Heute jährt sich der 50. Todestag von Adorno.“

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Die letzte Buchveröffentlichung des verstorbenen Autors Heinrich Rahn

Märchen im Rhein-Main-Gebiet und aus anderen Sphären

Eine Märchensammlung

Geest-Verlag 2021

ISBN 978-3-86685-879-4, 160 S.

7 Farbilder, 12,80 Euro

Jeder von uns ist mit Märchen aufgewachsen, Prinzen und Prinzessinnen, die durch wundersame Welten reisen, und mit Hilfe von Kobolden und Zauberern zueinander finden. Wussten Sie jedoch, dass dies nicht nur in fernen, phantastischen Welten geschieht, sondern auch mitten unter uns, im Rhein Main Gebiet? Heinrich Rahn hat auf seinen Wanderungen durch die Wälder rund um Wiesbaden der Natur gelauscht, die ihm ihre Märchen zuflüsterte. Er schrieb sie schnell auf, um sie nicht zu vergessen und hier sind sie für alle, die wissen wollen, wieviel Magie es bei uns gibt. Da sind die Feen von Sauerland, die eine junge Mühlerstochter begleiten und ein Geheimnis ihrer Vergangenheit am weißen Berg im Dotzheimer Wald enthüllen. Und da ist eine trotzige Kletterprinzessin, die auf den höchsten Berg im Frauensteiner Wald klettert und dabei einen Berggeist aufscheucht. Und dann gibt’s da Lucky, einen kleinen schwarzen Kater, der mitten im Dotzheimer Wald lebt und sein Territorium vor Schurken verteidigt. Doch es geht auch in fremde Länder, die der Elben und Elfen und vieles mehr…

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