„Das kleine Stückchen Glück“ von Katharina Kucharenko

Das kleine Stückchen Glück
Erinnerungen an eine Kindheit in Sibirien

kucharenkko_glueck_cover_smallNach der Veröffentlichung des vierbändigen literarischen Nachlasses des deutschen Lyrikers Norbert Leuschner, „Gedankensplitter“, im Jahr 2014 im Robert Burau Verlag hat die Autorin und Übersetzerin Katharina Kucharenko nun im Lichtzeichen Verlag ein sehr persönliches Buch mit Kurzgeschichten, eigenen Gedichten sowie Nachdichtungen deutscher und russischer Lyrik und Lieder aufgelegt. Die hohe Kunstfertigkeit ihrer Nachdichtungen wurde 2011 mit dem William Shakespeare Diplom ausgezeichnet. In ihren Erinnerungen beschreibt die Nachfahrin von aus der Ukraine vertriebenen Russlanddeutschen eine arme, aber glückliche Kindheit in Sibirien, in der ein kleines Stückchen Zucker das Glück bedeutete. Eindringlich schildert sie das Zusammenleben der Deutschen und Russen während und nach Vertreibung, Deportation und Enteignung, die spontane Solidarität und Nachbarschaftshilfe in Zeiten größter Not. Continue reading →

Wir trauern um Anatoli Steiger

Am 4. Juni 2015 verstarb nach einer Herzoperation unser hochgeschätzter Kollege Anatoli Steiger im Alter von 73 Jahren. Unser tiefstes Beileid gilt seinen Angehörigen! Hier einige Eckdaten über ihn:

52_steiger_small1941 in der Ukraine in Neu-Freudental bei Odessa geboren. 1944 Flucht der Familie über Polen nach  Deutschland. Einbürgerung mit Wohnsitz in Mecklenburg. 1946 Verschleppung nach Sibirien. Zunächst Hilfsarbeiter auf Baustellen in Nowosibirsk. 1962-67 Journalistikstudium an der Universität in Swerdlowsk. Danach Tätigkeit für verschiedene Zeitungen. Vier Jahre Korrespondent der TASS. Zuletzt Mitglied im deutschen Schriftstellerverband (VS), im Literaturkreis der Deutschen aus Russland und im russischen Journalistenverband.

Veröffentlichungen auf Deutsch:

„Die Fremden“, Roman, Geest Verlag, ISBN 3-937844-53-8 (2. Auflage)

„Das Haus am Teich“, Roman, BMV Verlag Robert Burau, ISBN 3-935000-38-3

„Tschomolungma“, Zwei Geschichten aus einem Leben, BoD, ISBN 3-933673-12-7Continue reading →

Lyrikband „Aus Wanderungen“ von Andreas Peters

Aus Wanderungen heißt der neue Lyrikband des mehrfach preisgekrönten Autors Andrej (Andreas) Peters, erschienen im ambitionierten Verlag Rote Zahlen, Buxtehude. Es sind Exodus-Geschichten, „Aus Wanderungen“ aus Ukraine und Russland, Kirgisien und Afghanistan. Es sind Grenzerfahrungen und Grenzüberschreitungen, bis zum passieren des Rubikon. Und immer diese bittere Erfahrung: „Es wird dir//schwerfallen,//wider den Stachel//zu löcken,// Pfingstrose“. Aber auch „Aus Wanderungen“ aus der Haut, getroffen von jedweder Ungerechtigkeit. „Aus Wanderungen“ aus dem Leben, durch Sterben oder freiwilliggehen von Freunden und Kollegen. Ein Exodus, nicht Exitus! „Der Pfahl im Fleische bleibt weidwund“.

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Andeas Peters wurde 1958 in Tscheljabinsk (UdSSR) geboren und lebt in Bad Reichenhall. Er war als Kolchosen- und Metallarbeiter, als Gastdozent und Pastor tätig und arbeitet heute als Krankenpfleger in Salzburg. Seine Gedichte wurden ins Russische, Englische und Türkische übersetzt. Er gewann mehrere bedeutende Lyrikpreise, u.a. „Hochstadter Stier 2015“ (Mehr dazu unter Heimatzeitung vom 27.03.2014; Auch die Süddeutsche Zeitung berichtete darüber am 2. Februar 2015). Continue reading →

Almanach 2014 ist erschienen

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Unser Almanach (Anthologie) 2014 ist erschienen:

Fremde Heimat Deutschland?
„Literaturblätter der Deutschen aus Russland“ – Almanach 2014

Artur Böpple (Hg.)

Paperback, 14 x 21 cm, ca. 344 S., 14,90 €
ISBN 978-3-943583-53-3, Anthea Verlag, Berlin

Kurz vor dem 20-jährigen Jubiläum des Literaturkreises der Deutschen aus Russland e.V. erschien im Berliner ANTHEA Verlag der neue Almanach des Literaturkreises, der dem Andenken des 2013 verstorbenen Autors Viktor Heinz gewidmet ist, einem der bekanntesten deutschen Autoren aus Russland, der zu den Mitbegründern des Vereins gehörte.

Das Redaktionsteam des Almanachs veranstaltete auch im Jahr 2014 einen bundesweiten Literaturwettbewerb, der allen Autoren in Deutschland offen stand, ungeachtet der Herkunft, Religion, Alter, Geschlecht und Staatsangehörigkeit. Eine unabhängige Jury, die aus zwei Autoren und einer Schauspielerin bestand, bestimmte die Sieger des Wettbewerbs. Die Siegerbeiträge wurden Continue reading →

Der schmerzliche Weg der Erinnerungen – zum Tod von Irene Mohr am 27.01.2015

Irene Mohr war vor einigen Jahren Co-Autorin eines internationalen Buchprojektes „Unterwegs mit Koffer und Teddybär: Europas Kinder und der Zweite Weltkrieg“,  277 S.,  CMZ-Verlag, Hrsg. von Claudine Landgraf und Rosemarie Rfischke,  Riga, 2005, ISBN 3-87062-077-3

indexEin einäugiger Teddybär, aus dessen Bauch die Spähnenfüllung durch den dünn gewordenen Stoff durchschimmerte, angelehnt an einen Kinderkoffer mit meinem Strohhut – es könnte ein Originalgepäck eines Kindes gewesen sein, das während des Zweiten Weltkrieges unterwegs war, mit vielen anderen Flüchtlingen verschiedener Nationen. Die Veranstalter hatten diese im Buchtitel erwähnten Sachen als Symbol neben dem Rednerpult aufgebaut, bevor das neue Buch am 8. Mai 2005, genau zum 60. Jahrestag des Kriegsendes in St.-Augustin bei Bonn im Haus Menden präsentiert wurde. Unter den dreizehn Frauen, die während des Zweiten Weltkriegs noch im Kindesalter waren und aus acht verschiedenen Ländern stammten (Frankreich, Niederlande, Deutschland, Polen, Russland, Ukraine, Tschechien und Griechenland) und nun im Buch das Erlebte aus der damaliger Sicht, jedoch mit dem heutigen Verständnis der Dinge schilderten, war auch die aus der Ukraine stammende Irene Mohr, die ab den 70er Jahren in Deutschland gelebt hatte und Mitglied des Literaturkreises der Deutschen aus Russland gewesen war.Continue reading →

Das Land Baden-Württemberg verleiht uns den Russlanddeutschen Kulturpreis 2014

„Ich habe heute die Freude, im Namen der Landesregierung Persönlichkeiten und Einrichtungen auszuzeichnen, die sich durch ihr künstlerisches Wirken um die Kultur der Deutschen aus Russland verdient gemacht haben.“

Das sagte Innenminister Reinhold Gall bei der Verleihung des Russlanddeutschen Kulturpreises am Montag, 17. November 2014, in Stuttgart.
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Baden-Württemberg habe den Russlanddeutschen Kulturpreis 1996 ins Leben gerufen und vergebe ihn seither alle zwei Jahre. Er sei ein zentrales und bedeutendes Element des Bekenntnisses zu den Deutschen aus Russland. Das Patenland bringe mit dem Preis seine Wertschätzung gegenüber der russlanddeutschen Kultur und ihren Repräsentanten zum Ausdruck. „Das kulturelle Erbe der Russlanddeutschen gehört zum geistig-kulturellen Vermögen unseres ganzen Volkes und ist Teil der gesamten deutschen Kultur. Wir wollen es bewahren und weitergeben“, betonte Gall. Zudem solle der Preis auch Anreiz und Impuls für alle Kulturschaffenden sein, mit ihren Werken zum Erhalt und zur Pflege der russlanddeutschen Kultur beizutragen.

In den letzten Jahren sei der Russlanddeutsche Kulturpreis in den Sparten Literatur, Musik oder Bildende Kunst vergeben worden. In diesem Jahr sei mit der Sparte Kulturvermittlung Neuland betreten worden.Continue reading →

Sprachliches Feuerwerk

Zu Wendelin Mangolds Buch „Die Wahrheit hinter der Lüge: Lyrik‐Prosa‐Dramatik“,  Geest‐Verlag 2014, 230 S., ISBN 978‐3‐86685‐458‐1, 12,00 €

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Wendelin Mangold wurde 1940 im Gebiet Odessa geboren, seit 1990 lebt er in der Bundesrepublik. Seine ersten Schreibversuche unternahm er Ende der Fünfzigerjahre, noch als Germanistikstudent. Von 1967 bis zu seiner Ausreise lehrte er die deutsche Sprache und Literatur an der Pädagogischen Hochschule Koktschetaw (Kasachstan). Er schreibt Gedichte, Artikel, Rezensionen. Seit den frühen 70er Jahren veröffentlichte er seine Werke in der periodischen deutschsprachigen Presse und in Sammelbänden der russlanddeutschen Schriftsteller. 1988 wurde er  Mitglied des Schriftstellerverbandes der UdSSR. Nach seiner Übersiedlung nach Deutschland im Jahr 1990 arbeitete er 17 Jahre bei der Seelsorge für Spätaussiedler aus den GUS-Staaten als Sozialarbeiter. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Literaturkreises der Deutschen aus Russland e.V., wo er im Redaktionsteam bei der Herausgabe des Almanachs „Literaturblätter deutscher Autoren aus Russland“ tätig war. Seine Gedichtbände „Rund um das Leben“, „Deutschland, hin und zurück“, „Zu sich wandern“, „Sprung ins Wasser“ verdeutlichen durch sprachliche und gedankliche Verdichtung, durch Auseinandersetzung mit Integrationsproblemen in der neuen Heimat die Gefühlslage der russlanddeutschen Aussiedler. Für seine Tragikomödie „Vom Schicksal gezeichnet und geadelt“ wurde er 2013 mit dem Hessischen Preis „Flucht, Vertreibung, Integration“ ausgezeichnet. Sein Handwerk beherrscht Wendelin Mangold meisterhaft und ist bisher unübertroffen in seiner Kreativität unter den russlanddeutschen Dichtern. Man mag seine Schreibweise mögen oder nicht, aber seine Lyrik ist Ausdruck der Gratwanderung zwischen zwei Welten, der der Russlanddeutschen und der der eingeborenen Deutschen.

Sein neues Buch  „Die Wahrheit hinter den Lüge. Lyrik, Prosa, Dramatik“ hat ihm bereits folgendes Lob des Verlegers Alfred Büngen eingebracht: „Im vorliegenden Band bringt der Autor seine besondere Begabung des kurzen, engagierten, kreativen und originellen Schreibens in den verschiedensten literarischen Gattungen weit über die Aussiedlerproblematik hinaus zum Ausdruck, schafft ein inhaltliches und sprachliches Feuerwerk, das man nicht mehr aus der Hand legen mag. Literatur, die die Wahrheit hinter der Lüge entlarvt.“

Der Buchtitel wird mit einigen Zitaten, literarische Lügen seien in höherem Sinne Wahrheiten, erklärt, was offensichtlich als Echo Goethes  Gedanken über Dichtung und Wahrheit zu sehen ist. Ein Thema, das seit Jahrhunderten aktuell ist und immer wieder diskutiert wird. Statt eines Vorworts präsentiert der Autor ein Märchen von einem widerspenstigen Gänseblümchen und spricht somit, wie gesagt, durch die Blume. Das Gänseblümchen verwechselt aus Neugier Tag und Nacht und macht dadurch poetische Entdeckungen, was symbolisch für den Dichterblick steht, fast nach dem romantischen Prinzip, in allen Dingen schlafe ein Lied.

So wie ein Schauspieler auf der Bühne eine andere Person darstellt, dabei aber auch einen Teil von sich selbst preisgibt, so stellt Wendelin Mangold aktuelle Probleme der Gegenwart, die oft ihre Wurzeln in der Vergangenheit haben, aus verschiedenen Blickwinkeln in seinen Texten dar. Er schlüpft in verschiedene Rollen, um sie anschaulicher und nachdenklicher zu machen. Besonders burlesk wirkt sein Prosatext „Alles Lügen“, ein Panegyrikus. Hier zeigt er, wie man das tragische Schicksal der Russlanddeutschen, von dem man in Deutschland nur wenig weiß und es des öfteren mit Skepsis wahrnimmt – nur das sieht, was man sehen will, und dadurch die Vorurteile gegenüber dieser Ethnie oftmals bis zur Absurdität treibt. Mangold  schildert die traumatischen Erlebnisse meistens ironisch-optimistisch, was bei seinen Landsleuten einen bitteren Seufzer und zugleich ein Lächeln hervorzurufen vermag, nach dem Prinzip, die Tragödie liege unweit von der Komödie, mit einem weinenden und lachenden Auge zugleich.

So treibt er das Thema „Heimat“ auf die Spitze, indem er die Ahnungslosigkeit der Neuankömmlinge aus Russland bildhaft offenlegt und die Ursachen dafür klärt. Besonders gelungen ist ihm das im Theaterstück „Im Kreise der Lieben“, wo er auf diese Weise die Wahrheit hinter der Lüge zum Ausdruck bringt.  In diesem Bühnenstück, dem Theaterregisseur Bolat Atabayev gewidmet, analysiert und entlarvt Mangold die gegenseitigen Vorurteile der Russlanddeutschen und der Einheimischen. Es ist ein Versuch, Geschichte und Gegenwart, die Integrationsproblematik szenisch satirisch-ironisch-humoristisch zu reflektieren.

Mit seinem neuen Buch erweist sich Mangold wieder einmal als Meister verschiedener literarischer Formen und Gattungen und bleibt seinem individuellen Stil der Knappheit und Lakonie (fast nach der Redewendung „In der Kürze liegt die Würze“), der Ironie und des Humors treu. Er schreibt vorwiegend kurze Gedichte und in der letzten Zeit sogar Haikus, die er scherzhaft „Haiküsse“ nennt und meistens thematisch betitelt, im Unterschied zu der ursprünglichen Haiku-Gedichtform aus Japan. Beachtenswert sind seine Reiseimpressionen, aber auch kleine Beobachtungen und Gedanken bei täglichen Spaziergängen. Es ist immer interessant, die Spuren der „literarischen Küche“ zu entdecken, die Impulse zu verfolgen, die als Anstoß für bestimmte Texte gedient haben und in welche Form die Gedanken „verpackt“ sind. Dieses Buch gleicht hierin einer offenen Werkstatt, da Mangold nicht nur sehr viele Hinweise, bekannte Zitate oder Aussagen gebraucht, sondern auch direkt in den Fußnoten seine Meinung zu gelesenen Büchern  und aktuellen Geschehnissen preisgibt, Informationen zu Persönlichkeiten, ob Politiker oder Autoren (weltbekannt oder wenig bekannt), mitliefert. Indem er dem Leser das Verstehen von bestimmten Zusammenhängen erleichtert, öffnet er seine eigene Gedankenwelt. Einige Texte sind Bolat Atabajew, dem Theaterregisseur und Menschenrechtler und Leiter des Deutschen Theaters in Kasachstan, gewidmet, der zurzeit in Köln lebt und arbeitet.

Das Buch ist eine Art lyrisches Tagebuch mit vielen kleinen Beobachtungen und großen Gedanken über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, aber auch über den „Ist-Stand“ der russlanddeutschen Aussiedler in der deutschen Gesellschaft, über ihre Irrungen und Wirrungen, hierzulande heimisch zu werden. Nicht weniger beeindruckend ist seine Kurzprosa, die ihn als einen aufmerksamen Beobachter des Alltags, aber auch des politischen Geschehens ausweist, wobei er wiederum stark Ironie als stilistisches Mittel einsetzt.

Es bleibt Wendelin Mangold ein breites Leserinteresse für sein neues Buch weit über den Kreis der Russlanddeutschen zu wünschen. Er ist einer der deutschen Dichter aus Russland mit unverwechselbarer Stimme und großer Themenbreite, der zweifelsohne stilistisch sehr nahe der neuen Strömung des modernen Realismus hierzulande steht.

Agnes Gossen-Giesbrecht

Frühlingslesung „Frauenwelten“ in Bonn

„Frauenwelten“ – so lautete der Titel der Frühlingslesung am 1. März 2014  in der Internationalen Begegnungsstätte in Bonn, die vom Literaturkreis der Deutschen aus Russland e.V. organisiert wurde.  Der Literaturkreis präsentierte neue Bücher, vor allem den neuen Almanach des Literaturkreises (Literaturblätter der Deutschen aus Russland 2013), der im Januar dieses Jahres erschienen ist. Agnes Gossen-Giesbrecht, Monika J. Mannel und Irina Malsam lasen daraus ihre Gedichte.

Irma Shiolashvili präsentierte ihr Buch „Brücke aus bunten Blättern“ mit Gedichten, die von verschiedenen Autoren aus dem  Georgischen ins Deutsche übersetzt wurden – unter anderem auch von Agnes Gossen-Giesbrecht, die diese Lesung moderierte und auch ihren zweisprachigen Gedichtband „Zwei Flügel“ vorstellte, aus dem sie nicht nur ihre eigenen Gedichte in Deutsch und Russisch rezitierte, sondern auch von einigen jungen Autoren,  dem bekannten Dichter Viktor Heinz („Der Alte“) und Lore Reimer („Meine Gedichte“).

Der lyrische Teil wurde  von Wladimir  Slaikovski musikalisch umrahmt, seine Gitarrenimprovisationen  wurden mit viel Applaus von den Zuhörern belohnt.
Sylvia Hofmann, Mitglied des deutschen Schriftstellerverbandes, und Monika J. Mannel, Leiterin der Kreativen Werkstatt Bonn, stellten ebenfalls ihre Bücher vor und sorgten mit ihren humoristischen Erzählungen für eine heitere Stimmung. Zum Schluss meldete sich noch eine als Gast anwesende Autorin, Elisabeth Schlief, zu Wort und trug ihre Gedichte über die aufwachende Natur vor. Sie verteilte auch Blumen an die anwesenden Frauen und sorgte damit für den stimmigen Schlussakkord dieser gelungenen Frühlingslesung.

Almanach 2013 ist erschienen

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Die Herausgabe von Literaturblättern deutscher Autoren aus Russland (Almanach 2013) stand im Zeichen des 250. Jahrestages des zweiten und entscheidenden Manifests von Katharina der Großen aus dem Jahr 1763, in dem sie verlockende Vergünstigungen für die deutschen Siedler an der Wolga aussprach. In den Jahren darauf kehrten Tausende, überwiegend Handwerkerfamilien Deutschland mit Kind und Kegel den Rücken und siedelten sich in Russland an. Ihre Nachfahren kehrten größtenteils erst Mitte bis Ende des 20. Jahrhunderts aus verschiedenen Gründen zurück. Mittlerweile leben in der Bundesrepublik Deutschland circa 2,5 Millionen sogenannte Aussiedler aus der UdSSR.

Der Literaturkreis der Deutschen aus Russland nahm dieses Datum zum Anlass, einen themenfreien Literaturwettbewerb auszuschreiben, mit dem Ziel, die russlanddeutsche Literatur zu fördern. Der Wettbewerb stand allerdings nicht nur russlanddeutschen Autoren offen, sondern allen in deutscher Sprache Schreibenden. Beste Beiträge nahmen wir in diesen Almanach auf. Letztendlich entstand ein Bändchen mit einer bunten Mischung von Texten, eine Art literarisches Kaleidoskop mit Beiträgen von sowohl russlanddeutschen als auch ansässigen deutschen Autoren. Auf die Kennzeichnung von sogenannten Gastbeiträgen haben wir dieses Mal bewusst verzichtet, weil die Herkunft von Autoren ohnehin den biografischen Notizen am Ende des Almanachs zu entnehmen ist.

In den meisten Beiträgen von russlanddeutschen Autoren ist der unablässige Wille zur Integration in die deutsche Gesellschaft nicht zu verkennen. Doch nicht nur die Ethnie an sich strebt nach Integration und Anerkennung, sondern ebenso die russlanddeutsche Literatur will endlich gesehen und gelesen werden. Seit vielen Jahren ist im deutschen Literaturbetrieb eine frappierende Ignoranz und Gleichgültigkeit gegenüber den russlanddeutschen Literaten zu beobachten (wohingegen die rumäniendeutsche Literatur das ungebrochene Interesse genießt) – trotz vieler Schreibtalente. Lediglich wenige Autoren schafften es, das Interesse der angesehenen deutschen Verlage für ihre Arbeiten zu wecken (z. B. Nelly Däs, Eleonora Hummel, Lena Klassen). Die Gründe für die Nichtbeachtung sind uns leider nicht bekannt. Es mag an dem penetrant klebenden negativen Image dieser Ethnie liegen, es mag andere Gründe haben, die sich erst mit der Zeit herauskristallisieren werden. Fest steht jedenfalls, dass unter den Werken von russlanddeutschen Autoren noch etliche literarische Schätze zu heben sind.Wann das passiert, bleibt abzuwarten.

Das Buch ist erschienen im Geest Verlag in Vechta. ISBN: 978-3-86685-448-2