Wer hat wo studiert?

Immer wieder lese ich in Lebensläufen und Kurzbiografien, jemand habe in der ehemaligen Sowjetunion am „Pädagogischen Institut“ oder einer ähnlichen Einrichtung studiert. Bei Lesern in Deutschland kann das unter Umständen zu Verwirrung führen, denn der Institutsbegriff wird hier etwas anders gehandhabt. So ist ein Institut in der Regel ein Teil einer Hochschule oder einer Universität bzw. eine eigenständige Forschungseinrichtung. An der Humboldt-Universität zu Berlin gibt es beispielsweise das Institut für Slawistik, das Institut für Theoretische Biologie etc. Hier würde man außer der Institutsangabe jedoch immer die Bezeichnung der Universität nennen, an der man studiert hat. Eigenständige Studieneinrichtungen, die dem russischen „институт“ entsprechen, werden in Deutschland eher als Hochschule bezeichnet. Deshalb würde ich diesen Begriff in den jeweiligen Lebensläufen immer vorziehen, erst recht, weil es in Deutschland durchaus auch Pädagogische Hochschulen gibt. (Zwar gab es in der DDR auch das Institut für Lehrerbildung, jedoch war das ein feststehender Begriff für die Ausbildung von Grundschullehrern.) Der besseren Lesbarkeit halber würde ich übrigens den Städtenamen immer undekliniert ans Ende der Bezeichnung setzten, wenn es sich nicht um Universitäten handelt, die bereits einen im Deutschen etablierten Namen haben wie die Moskauer Lomonossow-Universität.

Etwas schwieriger ist es beim „техникум“. Das deutsche „Technikum“ ist als Bildungseinrichtung nicht mehr existent, und diese Bezeichnung bezog sich auch, als sie noch aktuell war, ausschließlich auf Ingenieurschulen. Man benötigte als Studienvoraussetzung dort nur die mittlere Reife und eine abgeschlossene Berufsausbildung. Bei diesen Studieneinrichtungen handelte es sich, wie der Name eigentlich schon sagt, ausschließlich um technische Ausbildungszweige, sodass das in der Sowjetunion verbreitete „техникум“ eher der Fachschule entspricht. Ähnlich verhält es sich übrigens mit „училище“. Auch hier führt das Studium zu einem Abschluss, der dem einer Fachschule ähnelt, weil das Studium danach an einer Hochschule fortgesetzt werden kann. Beide sind jedoch nicht mit den deutschen Fachhochschulen gleichzusetzen, weil hier das Studium meist vier Jahre dauert und zu einem Abschluss führt, der dem Hochschulabschluss weit näher kommt als ein Fachschulabschluss.

Carola Jürchott

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