Buchtipp: „Die geheimnisvolle Pracht der Städte des Goldenen Rings“ von Susanne Pfau

Neujungfrauenkloster / Moskau (c) Alexander Milanitsch, Fotobank „Lori“

Die Geheimnisse Russlands in einem Buch erkunden

Die Gmünder VHS-Dozentin Dr. Susanne Pfau entführt in die
geheimnisvolle Pracht der Städte des Goldenen Rings.


Russland ist derzeit in aller Munde, aber dass dies so ist, das
ist meist in der Politik begründet. Unstimmigkeiten, politische
Machtspiele, die „Annexion“ der Krim, die Sanktionen
dominierten vor ein paar Jahren den medialen Alltag. Dabei ist Russland kulturell seit Jahrhunderten eng mit Deutschland verbunden, die Schätze Russlands geraten aus dem Fokus. Dr. Susanne Pfau will das mit einem reichhaltig bebilderten Buch über den sagenumwobenen Goldenen Ring ändern. Viele werden sich zunächst einmal fragen, was ist der Goldene Ring überhaupt?

Als Goldener Ring wird eine Rundreise um Moskau herum bezeichnet. Dieser halbrund gebogene Ring umfasst altrussische Städte mit ihrer geheimnisvollen und reichen Geschichte. Der Goldene Ring zählt zu den bekanntesten Reisezielen Russlands, er gibt dem Reisenden tiefen Einblick in die Geschichte der Entstehung Russlands. Welche Städte letzlich zum Goldenen Ring gehören, darüber gibt es bis heute keine einheitliche Meinung. Den Begriff des Goldenen Rings prägte der sowjetische Schriftsteller Jurij Bytschkow. Die Städte des Goldenen Rings dokumentieren die Geschichte der Entstehung Russlands „Viele Städte des sogenannten Goldenen Rings mit den prachtvollen Kirchen und Klöstern, den markanten und farbenfrohen Zwiebeltürmen gab es schon, als Moskau noch gar nicht existierte“, erläuterte Dr. Susanne Pfau, die in einer der Städte des Goldenen Rings, in Jaroslawl als Deutsche geboren wurde. „All diese Städte waren Zentren des Handels, weil fast alle an der Wolga oder ihren Nebenflüssen lagen. Gleichzeitig waren diese Städte auch Zentren der weltlichen und religiösen Macht. Heute liegen sie alle im Schatten der Zwölfmillionen-Metropole Moskau.“ Aber, so Susanne Pfau, vielleicht war und ist das im Nachhinein ein Segen für diese Städte. Denn, und das wird der Leser des Buches in eindrucksvollen Bildern erleben, die historische Struktur, die Gebäude, die lebendige Geschichte haben Kriege, Revolutionen und Säuberungen überstanden und erstrahlten in beeindruckendem Glanze.

Sergijew Possad. Heiliges Tor des Dreifaltigkeitsklosters mit dem Roten Turm / Fotobank „Lori

„Russland ist viel mehr als die Politik eines Präsidenten, Russland ist voller Kultur“.

Dr. Susanne Pfau bedauert im Gespräch mit GO FOR MORE, in dessen Verlag das Buch erschienen ist, dass die heutigen Beziehungen zu diesem geheimnisvollen Land nur auf die Politik reduziert werden. „Russland und Deutschland verbindet sehr viel, die Entwicklung beider Länder wurde von Menschen, die ins jeweils andere Land ausgewandert sind, entscheidend geprägt. Ich erinnere nur an Katharina die Große, die als Deutsche Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbstauf auf die Welt kam. Oder Königin Katharina von Württemberg, die Namensgeberin des Katharinen-Hospitals in Stuttgart. Sie hat als Katharina Pawlowna Romanowa, Großfürstin von Russland das Licht der Welt erblickt. Russland ist viel mehr als die Politik eines Präsidenten, Russland ist voller Kultur.“ All diese Tatsachen haben Susanne Pfau, die als Dozentin für Deutsch und Russisch an der Gmünder Volkshochschule lehrt und an der Musikschule Alfdorf Unterricht in den Bereichen Klavier und Akkordeon gibt, dazu bewogen, eine illustrierte Enzyklopädie über die Städte des Goldenen Rings entstehen zu lassen. Nach zwei Jahren Recherche, Reisen in verschiedene Städte, Kontaktaufnahme zu Fotografen, die sonst verbotene Bereiche in Kirchen und Klöster fotografieren dürfen, viele Gespräche und Telefonate bis in den Moskauer Kreml hinein, darf sie nun ein Werk präsentieren, das tief beeindruckt. Beeindruckt nicht nur mit der Sprache der Bilder, sondern auch mit den erläuternden Texten. Ein Werk, das einen auf die Reise zur geheimnisvollen Pracht der Städte des Goldenen Rings mitnimmt.


Moskau. Heiligenbilderwand der Mariä-Entschlafens-Kathedrale (c) Arthur Lookyanov

„Ich möchte die Leser durch Städte, die größtenteils UNESCO-Weltkulturerbe sind, führen, ich will Kenntnisse über das kulturelle, historische Russland vermitteln und damit möchte ich das erreichen, dass sich Menschen in Deutschland und Russland begegnen“, resümiert Dr. Susanne Pfau die zwei harten Jahre Arbeit an einem besonderen Buch. In zwei Jahren harter Arbeit ist eine besondere illustrierte Enzyklopädie entstanden. Aber nicht nur Städte werden auf der großen Runde des Goldenen Rings besucht, nicht nur die interessanten Sehenswürdigkeiten der altrussischen Städte. Dem Leser begegnen auch wunderschöne Landschaften an den Weiten der Wolga, an ruhigen Flüssen, in Kiefer- und Birkenwäldern. „Ich freue mich, wenn sich die Leser an dem Buch erfreuen, unbekanntes kennenlernen und vielleicht dann
auch den Wunsch haben, den Goldenen Ring persönlich zu bereisen. Davor kann man sich an der Volkshochschule in Schwäbisch Gmünd zumindest Grundkenntnisse in der russischen Sprache aneignen, dann macht ein Besuch des Landes noch viel mehr Spaß, von dem der russische Dichter und Diplomat Fjodor Iwanowitsch Tjuttschew sagte: „Russland lässt sich nicht mit dem
Verstand ergründen, nicht mit dem üblichen Maße messen, es hat
seinen eigenen Charakter – an Russland kann man nur glauben.“



Moskau. Kathedralenplatz (russ. Sobornaja Ploschtschad) (c) Olga Lipunova, Fotobank „Lori“

Aus dem Vorwort des Buches

Die Städte, die nordöstlich von Moskau in Form eines gebogenen Rings liegen, zählen zu den bekanntesten und beliebtesten Reisezielen Russlands. Schon zu Zeiten, in denen es Moskau noch gar nicht gab, waren die Städte mit ihren prachtvollen Klöster und Kathedralen Zentren von Handel sowie weltlicher und religiöser Macht. Aber heute stehen sie alle im Schatten der großen Zwölfmillionenstadt. Russland ist ein großes Land mit einer außergewöhnlich reichen und seltsam geheimnisvollen Geschichte und Kultur. Hier existieren schon von alters her die religiösen und kulturellen Traditionen zahlreicher Völker nebeneinander. Die vielen Klöster und Kirchen sind ein anschauliches Abbild der russisch-orthodoxen Vergangenheit. An den architektonisch beeindruckenden sakralen Baudenkmälern lässt sich die Gründungs- und Entwicklungsgeschichte Russlands ablesen. Die Schönheit der altehrwürdigen Städte mit ihren Befestigungsanlagen, ihren Fürstenresidenzen, den Bojarenhäusern, den goldenen Kirchenkuppeln und Klöstern lockt unzählige Besucher an. Den Glanz der ca. 140 Kirchen und 50 Klöster, deren Zwiebeltürme einem schon aus der Ferne entgegenleuchten, bestaunen nicht nur die Moskauer, sondern auch Millionen Touristen aus der ganzen Welt. Viele der historisch bedeutenden Denkmäler stehen unter staatlichem Schutz und zählen zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Alexandrow. Hauskirche und Zarengemächer (c) Maria Anaschina

Der Reiz liegt nicht nur in den interessanten Sehenswürdigkeiten der altrussischen Städte, sondern auch in der Natur Russlands, die zu jeder Jahreszeit sehr attraktiv ist. Malerische Orte mit Wolgaweiten, ruhige Flüsse, Kiefern- und Birkenwälder begrüßen und begleiten die Reisenden auf ihrem Weg. Die in diesem Buch beschriebenen Städte wurden wegen der ästhetischen Anziehungskraft ihrer einzigartigen Baudenkmälerarchitektur und ihrer geheimnisvollen Geschichte Städte des Goldenen Rings genannt. Dabei unterscheidet man zwischen zwei Ringen: dem großen und dem kleinen Ring. Die wichtigsten sehenswerten Orte des kleinen Rings sind Moskau, Sergijew Possad, Alexandrow, Pereslawl-Salesskij, Rostow Welikij, Jaroslawl, Kostroma, Iwanowo, Susdal und Wladimir. Sie liegen innerhalb der fünf Gebiete Moskau, Jaroslawl, Kostroma, Iwanowo und Wladimir. Die Städte unterscheiden sich ziemlich stark voneinander sowohl in der Größe wie auch in ihrem Charakter – von einer prächtigen, großen Stadt Jaroslawl bis hin zu der provinziellen, ruhigen Atmosphäre der Kleinstädte wie zum Beispiel Uglitsch, Susdal, Rostow Welikij, Sergijew Possad, die bei den Touristen sehr beliebt sind. Und dann Tutajew, eine Stadt, in der die Einheimischen die Fremden noch mit ihren Blicken verfolgen. Bis heute sind die Städte des Goldenen Rings immer noch eine Visitenkarte des großen Landes. Man könnte sagen: Wer die altrussischen Städte nicht gesehen hat, der kennt Russland nicht. Die Reiseroute beginnt und endet üblicherweise in Moskau.Von da aus sind die Städte mit Bahn, Bus, Schiff und Flugzeug zu erreichen. Von Stadt zu Stadt kommt man aber am einfachsten mit dem Bus. Von den Temperaturen her sind Juni, Juli und August die besten Reisemonate.


Uglitsch. Blick von der Wolga  aus auf das Uglitscher Kremlensemble (c) Ilja Beschlebnyi

Die Autorin

Dr. Susanne Pfau wurde im Jahr 1947 in der altrussischen Stadt
Jaroslawl geboren. Seit vielen Jahren lebt die agile frühere
wissenschaftliche Mitarbeiterin der Pädagogischen Universität der Stadt Fergana/Usbekistan in Deutschland und engagiert sich stark in der Förderung soziokultureller Kompetenz im Spracherwerb. An der Volkshochschule Schwäbisch Gmünd unterrichtet sie als lizenzierte Dozentin in den Sprachen Russisch und Deutsch. Damit nicht genug, auch im musischen Bereich ist Susanne Pfau aktiv. An der Musikschule in Alfdorf unterrichtet sie Klavier und Akkordeon. Sie spielt in einem konzertanten Schwäbisch Gmünder Akkordeonorchester mit.


DIE GEHEIMNISVOLLE PRACHT DER STÄDTE DES GOLDENEN
RINGS
– Das Buch in Form einer illustrierten Enzyklopädie
dokumentiert in 336 Bildern und Text die altrussischen Städte, zeigt informativ die interessantesten Sehenswürdigkeiten wie Kirchen und Klöster. Das Buch richtet sich an einen breiten Lesekreis. Am Ende des Buches bekommt der Leser die Möglichkeit, die erworbenen Kenntnisse mit den Quizfragen zu überprüfen.
Das Buch ist im GO FOR MORE Verlag erschienen, hat 310 Seiten
und kostet 59,99 Euro.
Es ist im örtlichen Buchhandel, bei GO FOR MORE und bei der
VHS Schwäbisch Gmünd erhältlich.
ISBN 978-3-00-054049-3.