„Du, mein geliebter ‚Russe‘“ – der neue Roman von Nelli Kossko

Eine deutsch-deutsche Liebesgeschichte

Ein Gastbeitrag von Nina Paulsen

Über 75 Jahre liegt der Zweite Weltkrieg schon zurück, doch nicht alle Wunden sind verheilt, nicht alle Opfer betrauert. Der Krieg hatte die Leben vieler Menschen unbarmherzig zermalmt, darunter auch die der jungen Deutschen in der Ukraine, die mit dem Einmarsch der deutschen Truppen als sogenannte Volksdeutsche zur Wehrmacht einberufen und an die Front geschickt wurden und nach Kriegsende mit entsprechenden Konsequenzen den Sowjets in die Hände fielen. Als Opfer zweier verbrecherischer Systeme – des Hitlerregimes und der Stalindiktatur – mussten sie die Schuld Hitler-Deutschlands bis in ihre letzten Tage sühnen, sie und ihre Kinder.

In ihrem eben erschienenen Roman „Du, mein geliebter ‚Russe‘. Eine deutsch-deutsche Liebesgeschichte“ (ratio-books Verlag) erzählt die bekannte russlanddeutsche Schriftstellerin Nelli Kossko eine Geschichte, die sich in beiden Ländern abspielt und sowohl tief in menschliche Abgründe blicken lässt als auch die Kraft der Liebe, die die Menschen aufs „Innerste zusammenhält“, bestätigt. Das Buch trägt einen Titel, der gerade in der heutigen Zeit fast provokant klingt, aber auch eine Spannung verspricht, die voller Kontroversen ist. Die Autorin lässt in ihr neues Buch erneut eigene Erfahrungen in reichem Maße einfließen. Weil sich ihre Vergangenheit, die sie immer wieder einholt, nicht verdrängen lässt, teilt Nelli Kossko ihre bitteren wie glücklichen Erfahrungen mit dem Leser und erzählt von denen, für die die Verbannung zur „ewigen Ruhe“ bestimmt war, und von denen, die sich aus dieser Hölle befreien konnten.

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Buchtipp: „Gesammelte Scherben“ von Melitta L. Roth

Im November 2020 erschien im ostbooks Verlag der Erzählband „Gesammelte Scherben“ von Melitta L. Roth. Es ist eine Auswahl von Prosatexten und literarischen Miniaturen, die die Autorin in den letzten Jahren verfasst hat. Die meisten behandeln typisch russlanddeutsche Themen wie Entwurzelung, Ankommen, Integration oder die Erinnerung an die blutige Geschichte der Bevölkerungsgruppe. Die Menschen und Lebenswege, die sie beschreibt, sind aber alles andere als typisch. Es sind die skurrilen, abseitigen und gebrochenen Charaktere, die ihr am Herzen liegen. Menschen, die mit dem Erbe der Vergangenheit hadern, überfordert sind oder ihm zu entkommen suchen.

Herausgegeben wurde dieses Projekt vom Bayerischen Kulturzentrum der Deutschen aus Russland (BKDR) in Kooperation mit dem Literaturkreis der Deutschen aus Russland e. V.

Melitta L. Roth, Autorin

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Wenn sich an Bindewörtern die Geister scheiden

Solange es diesen Blog gibt, haben uns immer wieder Zweifelsfälle der Grammatik beschäftigt. Einer der am weitesten verbreiteten von ihnen ist die Frage, an welcher Stelle man die Konjunktion „als“ verwendet und wann man „wie“ sagt. Dass das offensichtlich wirklich nicht einfach ist, wurde mir endgültig bewusst, als ich in einem Gespräch erzählte, womit ich mich beruflich beschäftige, und mein Gesprächspartner mir daraufhin im Brustton der Überzeugung die für ihn offenbar eher rhetorische Frage stellte: „Aber ‚als‘ und ‚wie‘ verwechselst du doch auch, oder?“ Anscheinend war er bis dahin nicht einmal auf den Gedanken gekommen, dass es auch anders sein könnte.

Einen großen Anteil daran, dass „als“ von vielen Sprechern des Deutschen eher stiefmütterlich behandelt wird, während sie sich zu „wie“ wesentlich stärker hingezogen fühlen, haben sicher auch die deutschen Dialekte. Einige von ihnen (für das Berlin-Brandenburgische kann ich es eindeutig sagen, und auch im Sächsischen ist es wohl ähnlich) verwenden sehr häufig „wie“ an Stellen, an denen ein „als“ angebracht wäre. Dabei ist die Unterscheidung, wenn es sich um komparative Konjunktionen, also vergleichende Bindewörter, handelt, ganz einfach: Soll ein Unterschied dargestellt werden, kommt nur „als“ in Frage:

Dieses Kind ist anders als die anderen.
Katrin ist größer als Peter.
Diese Bluse gefällt mir besser als die andere.

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Verleger Detlef W. Stein verstorben

Uns erreichte eine traurige Nachricht. Der Verleger und Leiter des Osteuropa-Zentrums Berlin Detlef W. Stein ist am 5. November 2020 nach langer, schwerer Krankheit im Alter von 59 Jahren verstorben. Er war unserem Literaturkreis jahrelang sehr verbunden, publizierte auch Bücher unserer Mitglieder und vor allem die Almanache „Fremde Heimat Deutschland?“ und „Das (hoch-)gelobte Land“.

(c) Foto: Carola Jürchott

Detlef W. Stein ist viel zu früh verstorben, nachdem er seine schwere Krankheit über Jahre stoisch ertragen und gegen sie gekämpft hat. Er wollte ihr nie die Möglichkeit geben, sein Leben zu bestimmen; deshalb wollte er auch nicht, dass seine Erkrankung öffentlich wird. Unermüdlich hat er seine Verlage weiter vorangetrieben, neue Bücher verlegt und sich all dem gewidmet, was ihm wichtig war. Mit immer neuen Projekten nährte er bis zum Schluss die Hoffnung, dass doch noch alles wieder gut werden könnte. Nun hat diese Hoffnung ein jähes Ende gefunden, und es bleiben nur noch die Erinnerungen. Erinnerungen an einen Menschen, der für eine offene, vor allem faire und liberale Gesellschaft eintrat. Wir sind dankbar und froh, Detlef Stein kennengelernt zu haben. In einer für uns schwierigen Zeit hat er an unsere Literatur, an unsere Autorinnen und Autoren geglaubt.

Unser aufrichtiges Beileid gilt seiner Familie und seinen Angehörigen. Ruhe in Frieden, lieber Detlef!

Ist doch logisch!

Auch wenn diese Reihe eigentlich ein Sprachblog ist, möchte ich an heute einmal darauf eingehen, dass es auch beim Lektorieren und Korrekturlesen nicht immer nur um sprachliche Feinheiten geht. Manchmal sind Sätze auf den ersten Blick grammatisch völlig richtig, und dennoch bedürfen sie dringend einer Korrektur, weil die Logik nicht gewahrt ist. So begegnete mir kürzlich in einem Buch der wunderbare Satzanfang „Als die Moorleichen noch lebendig waren, …“

An dieser Stelle war für mich die Versuchung groß, den Satz folgendermaßen zu beenden: „waren sie noch keine Moorleichen.“
Offensichtlich scheint die Endlichkeit des Seins ein wenig zu unlogischen Formulierungen zu verführen, oder wie sonst wäre der folgende Satz zu erklären: „Sie hat uns das nach ihrem Tod vererbt“? Nach ihrem Tod konnte sie ihren Willen ja nicht mehr äußern, also muss sie schon zu Lebzeiten verfügt haben, an wen das Erbe nach ihrem Tod übergeht. Eine so eindeutige Aktivkonstruktion würde ich an dieser Stelle deshalb ausschließen.

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Der Literaturkreis wird 25 Jahre alt – Jubiläumsanthologie erschienen!

Im Oktober 2020 feierte der Literaturkreis der Deutschen aus Russland ein markantes Jubiläum – sein 25-jähriges Bestehen, und präsentierte aus diesem Anlass die Jubiläumsausgabe des Jahrbuchs. Dieser Band ist der russlanddeutschen Autorin und Dichterin Nora Pfeffer gewidmet, die im Dezember 2019 ein hundert Jahre alt geworden wäre. Die Grande Dame der russlanddeutschen Lyrik hat sich von Beginn an im Literaturkreis der Deutschen aus Russland engagiert und hat maßgeblich, auch redaktionell, bei der Entstehung der ersten Literaturblätter vor 25 Jahren mitgewirkt. Aus den anfänglich schmalen Heften ist heute ein stattlicher Sammelband geworden. Zwischen seinen Buchdeckeln versammelt er ein Mosaik aus Lyrik, Prosa, biografischen Texten und Rezensionen kürzlich erschienener Bücher und gibt damit einen wesentlichen Überblick über die russlanddeutsche Literaturszene.

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Unsere Autorinnen und Autoren werden ausgezeichnet!

MINISTERIUM FÜR INNERES, DIGITALISIERUNG UND MIGRATION des Landes Baden-Württemberg gab am 13. Oktober 2020 die Preisträger des diesjährigen Russlanddeutschen Kulturpreises bekannt

Hauptpreis wird an Eleonora Hummel verliehen, Ehrengabe geht an Wendelin Mangold und Förderpreis an Katharina Martin-Virolainen


Minister Thomas Strobl: „Der Russlanddeutsche Kulturpreis bezeugt, dass das Land Baden-Württemberg den besonderen Beitrag der Russlanddeutschen zur Kultur in Deutschland wertschätzt.“


Im zweijährigen Turnus vergibt das Land Baden-Württemberg den Russlanddeutschen Kulturpreis für hervorragende Leistungen auf kulturellem Gebiet, dieses Jahr für den Bereich Literatur. Grundsätzlich besteht der Kulturpreis aus einem mit 5.000 Euro dotierten Hauptpreis und zwei Förderpreisen bzw. einem Förderpreis und einer Ehrengabe in Höhe von jeweils 2.500 Euro. Hierbei sind die Förderpreise insbesondere für jüngere Kulturschaffende vorgesehen, welche noch am Anfang ihrer künstlerischen Entwicklung stehen. Die Preise sind zugleich Ausdruck der Patenschaft Baden-Württembergs über die Landsmannschaft der Russlanddeutschen und werden in erster Linie russlanddeutschen Kulturschaffenden verliehen, deren Werk das Kulturgut der Russlanddeutschen repräsentiert.

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MAX SCHATZ: SONETTENFLECHTER

Eine Rezension von Dr. Wendelin Mangold

Durch seine Sonettenkränze hat Max Schatz, zuletzt in seinem Band „Nihilschwimmer“ (2020), die Messlatte der russlanddeutschen Lyrik hoch gelegt. Nun muss jeder, der sich in unsere Lyrik einreihen will, damit messen lassen laut der Redewendung „Erst die Pflicht, dann die Kür!“ 

Lyrik ist kein Spiel, und wer sich ihrer Formen bedienen will, muss es verstehen, den Inhalt in die entsprechende Form zu gießen. Dabei gibt es einfache Formen wie zum Beispiel die Volksliedstrophe und anspruchsvolle Formen wie zum Beispiel das Sonett. Jede Form hat ihren Ursprung und ihre Geschichte, so auch das Sonett.

(c) privat

Die meisten Dichter der Gegenwart gehen lieber dieser Form aus dem Weg. Schuld daran ist das kritische, negative und ablehnende Verhalten gegenüber dem Sonett der modernen und besonders der postmodernen Poesie. Die zaghafte Rückkehr zum Sonett ist noch nicht so richtig in Gang gekommen, aber immerhin wird ab und zu ein Sonett verfasst. Die Abkehr von der klassischen Form des Sonetts ist zu beklagen, da jeder meint, er wäre ein Dichter allein durch das abfällige Verhalten zum Sonett. Oft wird als modern angesehen, wenn alles über Bord geworfen wird (Rhythmus, Reim, Strophe), als ob ein formloses Gedicht aussagekräftiger wäre, was ein Trugschluss ist.

Wenn schon ein Sonett eine strenge, disziplinierte Form ist, so ist ein Sonettenkranz eine doppelt, wenn nicht dreifach kompliziertere Form, bestehend aus 14 zusammenhängenden Sonetten und dem abschließenden fünfzehnten Sonett, Meistersonett oder italienisch Magistrale genannt. Nicht umsonst heißt diese Form italienisch und englisch „corona“. Also ist sie die Krone unter den lyrischen Formen. Das will schon etwas bedeuten!

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Festschrift für Wendelin Mangold – eine Würdigung zum 80. Geburtstag

Pünktlich zum runden Geburtstag von Wendelin Mangold erschien im BKDR Verlag eine Festschrift, die das Leben und Wirken dieses bekannten Autors ausführlich beleuchtet. Mit diesem Band, dem dritten nach den im ersten Halbjahr 2020 erschienenen Festschriften für Nora Pfeffer und Johann Warkentin setzte das Bayerische Kulturzentrum der Deutschen aus Russland (BKDR) seine Festschriftenreihe für bemerkenswerte russlanddeutsche Künstler, Wissenschaftler, Schriftsteller aus Vergangenheit und Gegenwart fort.

Dr. Wendelin Mangold, Autor und eine der prägnantesten Persönlichkeiten der russlanddeutschen Literaturszene, feierte am 5. September 2020 seinen 80. Geburtstrag. Dieses Datum nahm der BKDR Verlag zum Anlass, um in Kooperation mit dem Literaturkreis und der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland einen Sammelband herauszugeben. Zum großen Teil sind es Nachdrucke oder Übersetzungen diverser Quellen, viele Artikel stammen aus alten Ausgaben der Zeitschrift Volk auf dem Weg. Einige Beträge wurden jedoch speziell für diese Publikation verfasst. Monografien zum Leben und Schaffen markanter russlanddeutscher Kulturschaffender sind bisher eine Seltenheit. Umso mehr freuen wir uns über die Gelegenheit, diese Publikationsreihe mit einer Würdigung Mangolds ergänzen zu können.

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Eine Würdigung für Johann Warkentin – Festschrift zum 100. Geburtstag im BKDR Verlag erschienen

Mit diesem Jubiläumsband, dem zweiten nach der im Januar 2020 erschienenen Festschrift für Nora Pfeffer, setzt der BKDR Verlag seine Festschriftenreihe für bemerkenswerte russlanddeutsche Künstler, Wissenschaftler, Schriftsteller aus Vergangenheit und Gegenwart fort. Johann Warkentin, geb. 1920 in Spat auf der Krim, wäre am 11.05.2020 hundert Jahre alt geworden. Dieses Datum nahm das BKDR zum Anlass, um in Kooperation mit dem Literaturkreis und der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland einen Sammelband herauszugeben, in dem Warkentin selbst spricht und Schriftstellerkollegen, Historiker und Freunde über ihn und sein Werk zu Wort kommen. Zum großen Teil sind es Nachdrucke oder Übersetzungen diverser Quellen, viele Artikel stammen aus alten Ausgaben der Zeitschrift Volk auf dem Weg oder wurden speziell für diese Publikation verfasst.

Monografien zum Leben und Schaffen markanter russlanddeutscher Persönlichkeiten aus dem Bereich Kultur sind bisher eine Seltenheit. Umso mehr freuen wir uns über die Gelegenheit, diese Publikationsreihe mit einer Würdigung Warkentins ergänzen zu können. Persönlich wie auch durch sein Werk hinterließ er tiefe Spuren auf dem Weg zur Wiederbelebung der russlanddeutschen Literaturszene in der Sowjetunion der Nachkriegszeit und seit Anfang der 1980er auch in Deutschland, vorwiegend jedoch nachdem die Mehrheit der russlanddeutschen Autorinnen und Autoren um 1990 und später in die Heimat ihrer Vorfahren zurückgekehrt war. Seine Ermahnungen an die Adresse der nunmehr in Deutschland lebenden jüngeren Kolleginnen und Kollegen, sein hoher Qualitätsanspruch an das geschriebene Wort, seine kritisch-konstruktiven Bemerkungen, beispielsweise in seiner Monografie Geschichte der russlanddeutschen Literatur aus persönlicher Sicht (hrsg. von der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, 1999), behalten zum großen Teil bis heute ihre Signifikanz und Aktualität und prägen weiterhin das Schaffen von Autorinnen und Autoren mit russlanddeutschem Hintergrund.

Erschienen im Juli 2020, unter ISBN 978-3-948589-06-6, 304 S., Hardcover, Preis: 14,- EUR

Bestellungen unter E-Mail: kontakt@bkdr.de oder unter Tel.: 0911-89219599.